Bayerns Stromnetz soll wachsen

von Redaktion

Das Stromverteilnetz soll fitgemacht werden für mehr Energie aus Wind und Sonne. © Nicolas Armer/dpa

Regensburg – Das Bayernwerk will in den nächsten Jahren zehntausende Kilometer neue Stromleitungen bauen. Auslöser ist der Umbau der Stromversorgung auf Erneuerbare Energien. „Wir bauen bis 2030 ungefähr 40 000 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen, das entspricht einmal rund um den Äquator“, sagte Vorstandschef Egon Westphal der Deutschen Presse-Agentur. Hinzu kommen nach Worten des Managers noch tausend Kilometer Hochspannungsleitung, die Ertüchtigung von an die 300 Umspannwerken und die Digitalisierung der Netzsteuerung. Das Unternehmen veröffentlichte zum Jahreswechsel seinen neuen Netzausbauplan für die kommenden Jahre.

Das Bayernwerk mit Sitz in Regensburg ist eine Tochter des Energiekonzerns Eon und betreibt etwa 180 000 Kilometer Stromleitungen – damit ist das Unternehmen der größte regionale Verteilnetzbetreiber im Freistaat.

Anlass des neuen Netzausbauplans ist die Energiewende. Die mit dem Ausstieg aus Atomkraft und fossilen Energien verbundene Umstellung der Stromerzeugung zieht entsprechenden Änderungsbedarf im Stromnetz nach sich. „Das ist eine Entfesselungsgeschichte“, sagt Westphal. „Die erste Phase war stark geprägt vom schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir haben allein in diesem Jahr bis Mitte Dezember rund 60 000 neue Anlagen mit einer Leistung von über 2000 Megawatt angeschlossen.“

„Wir gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch in unserem Netzgebiet bis 2045 verdoppeln und die Erzeugungsleistung der Erneuerbaren sich verdreifachen wird.“ Den Bedarf an zusätzlicher gesicherter Stromerzeugungsleistung bis 2030 bezifferte Westphal auf 7000 Megawatt.

„Es ist ein rasender Veränderungsprozess. Das ist sehr herausfordernd, eröffnet aber auch viele neue Chancen und Möglichkeiten.“ Das Bayernwerk sei ein „Reallabor im operativen Betrieb“.

Der hohe Stromleitungs-Baubedarf erklärt sich daraus, dass nicht nur kontinuierlich neue Solaranlagen und Windräder angeschlossen werden wollen, sondern in zunehmendem Maß auch Speicher. „Nun zählt nicht mehr allein der Zubau von Photovoltaikanlagen oder Windanlagen, sondern die Frage, wie bringen wir das alles zusammen“, sagte Westphal. „Wir haben Anschlussbegehren für 77 000 Megawatt Stromspeicher erhalten.“ Zum Vergleich: Deutschlands Spitzenlastbedarf liegt bei rund 70 000 Megawatt. Die Netzbetreiber rechnen aber damit, dass nur ein Bruchteil der beantragten Speicher tatsächlich auch gebaut wird.

„In den nächsten Jahren wird dann noch das bidirektionale Laden hinzukommen“, sagte Westphal. Das bezieht sich darauf, dass erste E-Auto-Modelle nicht nur Strom laden, sondern auch wieder ins Netz abgeben können, wenn das Fahrzeug nicht gefahren wird.

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