Baywa-Chef soll abgesägt werden

von Redaktion

In der Vorstandsetage der Baywa wird um die Zukunft des für Landwirte so wichtigen Konzerns gerungen. Ob mit Erfolg, muss sich zeigen. © Jens Hartmann für tz/Merkur

München – Noch an Weihnachten gab es für die Baywa einen kleinen Befreiungsschlag: Im zweiten Anlauf fand sie einen Käufer für ihre Spezialitäten-Tochter Cefetra, was dem klammen Konzern bei seiner Entschuldung hilft. Heute, nur wenige Tage später, ist die Krise aber wieder zurück: Der Aufsichtsrat hat auf einer trotz Feiertag einberufenen Sitzung am 6. Januar dem Konzernchef Frank Hiller das Vertrauen nicht mehr ausgesprochen. Weil sich das Kontrollgremium aber auch nicht zu einer Absetzung durchringen konnte, bleibt Hiller vorerst im Amt – wenn auch stark ramponiert.

Baywa-üblich wurde offiziell recht dünn über die Personalie informiert. Man habe im Aufsichtsrat „über eine zukünftige personelle Ausrichtung des Vorstands ergebnisoffen beraten“, hieß lediglich in einer Mitteilung. Der Name Hiller fällt dort allerdings nicht. Auch die Mitarbeiter der Baywa erfuhren aus einer Nachricht im Intranet nichts Konkretes über das Führungschaos und die Sitzung des Aufsichtsrats. Schon am Dienstag Abend hatte die „FAZ“ jedoch berichtet, dass es sich dort um Hiller drehte. Mehrere Personen aus dem Umfeld des Konzerns bestätigten das gegenüber unserer Zeitung.

Grund für den Vertrauensverlust ist offenbar, dass die genossenschaftlichen Ankeraktionäre unzufrieden mit Hiller sind. Bei der Baywa ist er für das operative Geschäft zuständig. Sie sollen von Hiller mehrmals eine Strategie eingefordert haben, wie er die angeschlagene Baywa trotz Sparkurs und Schrumpfkur zukunftsfest machen will. In einem an den Vorstand adressierten Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, verlangte die bayerische BRB, die zusammen mit der österreichischen RAI rund 70 Prozent der Baywa-Anteile besitzt, von Hiller und dem Vorstand eine „strategische Vision für den Konzern“, die über „das Abarbeiten von Meilensteinen der Sanierungsvereinbarung“ hinausgehe – eine verbale Ohrfeige für den Vorstand. Die BRB wünsche sich als größter Aktionär im Sanierungsprozess zudem über wichtige Vorgänge und Sanierungsschritte „zeitnah und regelmäßig durch den Vorstand informiert zu werden“, steht in dem Brief. Auch auf Versammlungen mit Mitarbeitern soll Hiller zuletzt höflich, aber bestimmt nach seiner Strategie gefragt worden sein. „Er hat das aber nicht als seinen Arbeitsauftrag gesehen“, heißt es aus Konzernkreisen.

Aus dem Umfeld Hillers wird hingegen kolportiert, er habe im Oktober ein Strategiepapier an Aufsichtsrats-Chef Gregor Scheller geschickt – von dem aber nie eine Antwort darauf bekommen. Hiller solle abgesetzt werden, weil er für den Konzern einfach zu unbequem geworden sei, glaubt man dort. So habe Hiller die hohen Honorare für Berater wie Alix Partners oder Roland Berger kritisiert, die bei der Baywa AG allein 2025 bei rund 100 Millionen Euro gelegen haben. Der externe Sanierungschef Michael Baur von Alix Partners, mit dem Hiller im Tandem die Baywa leitet, habe das als Affront gesehen. Hiller habe sich zudem im Aufsichtsrat unbeliebt gemacht, weil er eine schnelle Aufarbeitung der Krise gefordert habe. Mitglieder des Kontrollgremiums, die den Expansionskurs des Konzerns in der Ära von Ex-Chef Klaus-Josef Lutz mitgetragen haben, hätten Angst gehabt, selbst zur Rechenschaft gezogen zu werden, sagen Vertraute Hillers.

Nachdem die Baywa durch Zukäufe unter Lutz in der Niedrigzinszeit zum Weltkonzern aufgestiegen war, drückten die dadurch aufgehäuften Schulden dem Konzern die Luft ab. Im Sommer 2024 rutschte die Baywa knapp an der Pleite vorbei und könnte nur durch neue Kredite von Banken und Finanzspritzen der Genossenschaften gerettet werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob im Vorfeld der Beinahe-Pleite die Lage des Konzerns geschönt wurde. Im November 2024 wurde Michael Baur von Alix Partners als externer Sanierer eingesetzt. Er ist bis heute der Ansprechpartner der Banken und damit der wichtigste Mann im Konzern. Im März 2025 kam Hiller als neuer Konzernchef an Bord, um sich um das operative Geschäft zu kümmern. Bis zum Ende der Sanierung im Jahr 2028 soll er eigentlich gemeinsam mit Michael Baur die Baywa führen.

Ob Hiller wirklich so lange an Bord bleibt, ist angesichts der Kritik der genossenschaftlichen Ankeraktionäre und der Querelen mit dem Chefsanierer Baur jedoch sehr fraglich. Auch Aufsichtsratschef Gregor Scheller, der ebenfalls aus der Welt der Genossenschaften stammt und als Chef des Kontrollgremiums maßgeblich für die Berufung und Abberufung des Vorstands zuständig ist, soll sich laut Insidern auf die Seite von Sanierer Baur und den genossenschaftlichen Aktionären geschlagen haben. Schon für den heutigen Donnerstag hat Scheller den Aufsichtsrat für eine weitere Sitzung zusammengerufen. Das Thema: Erneut Konzernchef Frank Hiller.

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