Räumlichkeiten des Gründerzentrums UnternehmerTUM in München: Die Stadt führt das Ranking der deutschen Gründer-Städte an. © Stefan Müller-Naumann/Munich Urban Colab
München – 3568 neue Start-ups – in nur einem Jahr: So viele Neugründungen gab es in Deutschland noch nie. Die Zahl stieg um 29 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, wie der Bundesverband Deutsche Start-ups gestern in Berlin mitteilte. Ein Lichtblick angesichts der lahmenden Konjunktur: „Start-ups ziehen unsere Wirtschaft nach vorn, selbst in einem herausfordernden Umfeld“, sagte Kati Ernst, stellvertretende Vorsitzende des Verbands. „Die Rekordzahlen zeigen, welches Potenzial in Deutschland steckt.“
Grund für den Start-up-Boom: Künstliche Intelligenz (KI). Bei mehr als jeder vierten Neugründung im vergangenen Jahr sei KI ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells gewesen, so der Verband.
Ein Bundesland sticht besonders hervor: Bayern. Jedes fünfte neu gegründete Start-up in Deutschland wurde im vergangenen Jahr im Freistaat gegründet. Der Verband zählte 785 Neugründungen in Bayern, eine Zunahme um 46 Prozent zum Vorjahr. Gut jedes zweite neue Start-up stammte aus dem Großraum München.
„Das liegt vor allem daran, dass mit der LMU und der TUM zwei sehr forschungsstarke Universitäten vor Ort sind“, sagte Wirtschaftsforscher Oliver Falck vom Münchner ifo-Institut und verwies auf das Gründerzentrum UnternehmerTUM der Technischen Universität München (TUM). „Die UnternehmerTUM gilt als Vorzeigeprojekt dafür, wie der Transfer von Wissen aus der Wissenschaft in die Wirtschaft erfolgreich gelingen kann.“
Die UnternehmerTUM wurde im Jahr 2002 von der Milliardärin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten gegründet, in mehr als 20 Jahren hat sich die Einrichtung aus Garching im Landkreis München zu einem international anerkannten Gründerzentrum entwickelt – als Vorbild diente das Silicon Valley in Kalifornien. „Die TUM und die dort handelnden Personen sind ein absoluter Glücksfall für die Region, die haben dort etwas aufgebaut, was einzigartig in Deutschland ist“, sagte Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK). Den Initiatoren sei es gelungen, Investoren, Unternehmen und Studierende zu vernetzen und ein „exzellentes Ökosystem“ für Gründer zu schaffen.
Bei den neuen Start-ups pro Einwohner lag München 2025 noch vor Berlin, Düsseldorf und Aachen, wie aus den gestern veröffentlichten Zahlen hervorgeht. „Während in Berlin eher E-Commerce-Plattformen entstehen, zeichnet sich der Gründerstandort München vor allem durch seine Deep-Tech-Start-ups aus“, sagte Gößl. München belege damit auf die Bevölkerung bezogen nicht nur in Deutschland den Spitzenplatz, sondern in der ganzen Europäischen Union.
Der Großraum München hat laut ifo-Forscher Falck noch einen weiteren Vorteil für Gründer: Etablierte Industrie-Konzerne wie BMW oder Siemens haben ihren Sitz in unmittelbarer Nachbarschaft. „Die Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen reicht von gemeinsamen Entwicklungsprojekten über die Bereitstellung von Risikokapital bis hin zur Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der Start-ups“, sagte Falck. „Diese Vorteile gleichen die hohen Standortkosten in München, etwa durch teure Büromieten, mehr als aus.“
BIHK-Chef Gößl sieht dennoch Mängel. Das Umfeld für Investoren müsste seiner Meinung nach deutlich verbessert werden. „Die Gründungsfinanzierung haben wir mittlerweile im Griff, erheblichen Nachholbedarf gibt es aber noch in der Wachstumsfinanzierung“, sagte er. Sobald ein Start-up in die Wachstumsphase eintrete, brauche es zweistellige oder sogar dreistellige Millionenbeträge. „Hier das nötige Kapital zu finden, ist in Deutschland leider immer noch zu schwer, anders als etwa in den USA.“
Aber der Gründergeist sei da, sagte Gößl. „Entgegen aller Klischees sind junge Leute von hier und aus der ganzen Welt sehr wohl bereit, aus ihrem Leben etwas zu machen, Höchstleistungen zu erbringen und in München Firmen zu gründen.“