Warum der Baywa-Chef scheiterte

von Redaktion

Beim Traditionskonzern Baywa geht es seit einigen Jahren turbulent zu. Jetzt wird erneut die Konzernleitung ausgetauscht. Ein Nachfolger wurde nicht benannt. © Jens Hartmann

München – Der Münchner Agrarkonzern Baywa entlässt seinen Chef Frank Hiller. Das teilte der Konzern am Freitagabend in einer Pflichtmeldung für die Börse mit. Der Aufsichtsrat und der Vorstandsvorsitzende „haben sich darauf verständigt, dass Herr Dr. Frank Hiller mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand ausscheidet“, heißt es. Hillers Dienstverhältnis ende zum 31. Juli 2026.

Am Dienstag war das Kontrollgremium um den Vorsitzenden Gregor Scheller schon einmal zusammengetreten und hatte Hiller das Vertrauen entzogen. Auf eine Abberufung des Managers, der nach der Beinahe-Pleite im Jahr 2024 das Geschäft der Baywa profitabel machen sollte, konnten sich die Aufsichtsräte da aber noch nicht einigen. In zwei weiteren Sitzungen am Donnerstag und Freitag holten sie das nach und legten die Modalitäten fest.

Hiller war nur zehn Monate im Amt und leitete die angeschlagene Traditionsfirma als Führungstandem zusammen mit Restrukturierungschef Michael Baur von der Unternehmensberatung Alix Partners. Während Baur im November 2024 von den Gläubigerbanken der Baywa für die Stabilisierung und Sanierung der Baywa eingesetzt wurden und nun vor allem für den Verkauf großer Tochtergesellschaften und den Abbau der Baywa-Schulden zuständig ist, sollte Hiller seit seinem Amtsantritt im März 2025 das operative Geschäft des Konzerns weiterentwickeln. Das ist offenbar gescheitert.

Der Aufsichtsrat warf Hiller vor, für die Neuaufstellung der Baywa keine ausreichende Strategie entwickelt zu haben und verwies dabei auf Beschwerdeschreiben der genossenschaftlichen Anteilseigner, die zusammen rund 70 Prozent der Baywa-Anteile besitzen. Hiller habe „keine Vision gehabt, wie er die Baywa weiterentwickeln will“, kritisiert ein Insider aus der Baywa. Zudem habe er in Meetings ständig auf die Uhr geschaut und „teure Leute angestellt, ohne es abzustimmen.“

Hillers Vertrag wäre eigentlich bis Ende 2028 gelaufen. Nun beendet er seine Arbeit sofort. Ob der klamme Agrarkonzern dem Manager eine Abfindung zahlt und wie hoch diese ist, geht aus der Mitteilung nicht hervor. In vergleichbaren Fällen geht es angesichts der langen Restlaufzeit aber meist um Millionensummen. Auch ein Nachfolger soll es vorerst nicht geben.

Hillers Aufgaben werden auf die verbliebenen drei Vorstände verteilt: den Restrukturierer Baur, Finanzchef Matthias Rapp und Agrarvorständin Marlene Wienert. Der Vertrag mit Wienert war erst kurz vor Weihnachten vom Aufsichtsrat vorzeitig verlängert worden, obwohl die Staatsanwaltschaft München gegen Wienert und weitere ehemalige Verantwortliche der Baywa wegen des Verdachts der Bilanzfälschung im Zusammenhang mit dem Geschäftsbericht für das Jahr 2023 ermittelt.

Unter dem damaligen Chef Klaus-Josef Lutz hatte die Baywa ab 2008 auf Expansion und Internationalisierung gesetzt und dafür hohe Schulden aufgenommen. 2010 hat der Konzern seine Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa r.e. gegründet und später den neuseeländischen Obsthändler Turners & Growers sowie Cefetra aus den Niederlanden gekauft. Die Baywa entwickelte sich damals zu einem Konglomerat mit über 500 Tochterfirmen – und türmte insgesamt 5,4 Milliarden langfristiger Schulden auf. Steigende Zinsen brachten sie im Sommer 2024 in Zahlungsprobleme. Die Banken forderten ein Sanierungsgutachten ein, das die Unternehmensberatung Roland Berger erstellte. Es sieht für den Schuldenabbau den Verkauf großer Beteiligungen wie Baywa r.e. und Turners & Growers vor. Lutz, der 2024 mit einer Millionenabfindung vom Chefsessel der Baywa an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt war, war wenige Monate zuvor im Streit aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Allein 2025 soll der angeschlagene Konzern rund 100 Millionen Euro an Berater bezahlt haben. Ein großer Teil davon dürfte bei der Beratungsgesellschaft Alix Partners von Chefsanierer Baur gelandet sein. Er ist Ansprechpartner der Gläubiger und damit der einflussreichste Mann in der Baywa-Sanierung. Wegen der hohen Zahlungen sei es zwischen Baur und Hiller immer wieder zum Streit gekommen. Auch Kompetenzgerangel wegen Vorgaben im Sanierungsplan soll es zwischen den beiden gegeben haben.

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