Die Rentensysteme unserer Nachbarn

von Redaktion

Rentner in Deutschland bekommen eine durchschnittliche Nettorente von 1120 Euro, Österreicher 1646 Euro. Dafür gibt es mehrere Gründe. © Deutsche Rentenversicherung

Die Rentner werden immer mehr und die Beitragszahler immer weniger – das System droht zu kollabieren. Bereits heute geht ein Drittel des Bundeshaushalts in Zuschüsse zur Rentenkasse. Gleichzeitig liegt das Rentenniveau mit 48 Prozent vom Nettoeinkommen deutlich unter dem Durchschnitt unserer Nachbarn, ganz zu schweigen vom Renteneintrittsalter.

■ Österreich

Die durchschnittliche Netto-Rentenhöhe lag dort nach den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung 2022 bei etwa 1650 Euro im Monat und damit um die 500 Euro höher als in Deutschland. Auch das Renteneintrittsalter liegt mit 65 Jahren unter dem in Deutschland stufenweise eingeführten mit 67 Jahren. Finanziert wird das über höhere Beitragssätze (Österreich: 22,8 Prozent; Deutschland: 18,6 Prozent) und höhere Bundesmittel, die rund die Hälfte des Rentenunterschieds erklären. Hinzu kommt, dass in Österreich fast alle Beschäftigungsgruppen – auch Selbstständige und die meisten Beamten – in die Rentenkasse einzahlen. Letztere wurden ab 2005 integriert.

■ Niederlande

Die Niederländer haben das ausschüttungsstärkste Rentensystem der Welt. Angestellte in den Niederlanden erhalten bis zu 100 Prozent ihres letzten Verdienstes als Rente. Dafür setzen sie auf drei Säulen: Jeder niederländische Bürger erhält eine Grundrente vom Staat – unabhängig davon, ob er Beiträge in die Rentenkassen eingezahlt hat oder nicht. Einzige Bedingung: Man muss vom 15. bis zum 65. Lebensjahr in den Niederlanden gelebt haben. Die Grundrente wird aus Sozialabgaben und teilweise aus Steuereinnahmen finanziert. Rund 90 Prozent der Berufstätigen zahlen in den Niederlanden zusätzlich in die betriebliche Rentenkasse ein. In Deutschland sind es nur 50 Prozent. Dazu kommt die private Vorsorge.

■ Dänemark

Das dänische Rentensystem ist Experten zufolge ein Erfolgsmodell. In dem skandinavischen Land liegt die durchschnittliche Rente laut OECD-Schätzungen bei rund 77 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Wer ab dem 15. Lebensjahr 40 Jahre lang in Dänemark gelebt hat, hat Anspruch auf die steuerfinanzierte Grundrente von knapp 2000 Euro. Wer gearbeitet hat, erhält auch eine sogenannte Kapitalpension. Arbeitnehmer zahlen verpflichtend Rentenbeiträge ein, die sie sich mit dem Arbeitgeber teilen. Im Unterschied zum deutschen Umlagesystem werden die eingezahlten Beiträge jedoch persönlich angespart und verzinst. Selbstständige können sich freiwillig beteiligen. Ferner haben viele Dänen eine betriebliche Altersvorsorge sowie private Rentenmodelle. Die hohen Renten gehen in Dänemark mit einem hohen Eintrittsalter einher: Derzeit gehen die Dänen mit 67 in Rente. Ab 2040 gilt die Rente mit 70.

■ Frankreich

Frankreichs ehemaliger Wirtschaftsminister Bruno Le Maire findet, sein Land habe eines der großzügigsten Rentensysteme der Welt. Die Finanzierung beruht jedoch auf hohen Sozialbeiträgen – die Rentenabgaben sind mit 22,8 Prozent deutlich höher als in Deutschland. Dennoch kämpft das System mit einem Defizit. 2023 betrug es rund 8,2 Milliarden Euro. Ohne weitere Maßnahmen dürfte es bis 2045 auf bis zu 30 Milliarden Euro anwachsen. Dies war einer der Hauptgründe für eine hochumstrittene Reform. Statt mit 62 sollen die Franzosen mit 64 in Renten gehen.

■ Italien

Das Rentensystem in Italien funktioniert prinzipiell ähnlich wie in Deutschland nach dem sogenannten Umlageverfahren. Das Geld speist sich neben diesen Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auch aus staatlichen Zuschüssen. Die Rentenbeiträge sind mit rund 33 Prozent des Bruttogehalts relativ hoch, wobei Arbeitnehmer etwa ein Drittel zahlen und Arbeitgeber zwei Drittel tragen. Was das Rentenniveau angeht, liegt Italien mit 75 Prozent des vorherigen Nettolohns deutlich über dem Niveau Deutschlands. Allerdings sind die Löhne dort niedriger. Italienische Rentner haben durchschnittlich 1300 Euro zur Verfügung.SBE UND GW

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