Karosseriebau bei MAN: Die Karosserien für den Zukunfts-Lkw werden nicht mehr in München gebaut. © MAN
München – Arbeitnehmervertreter hatten gehofft, die Verlagerung verhindern zu können, nun wird sie doch Realität: Die MAN errichtet den Karosseriebau für seine Zukunfts-Lkw in Polenstatt im Münchner Stammwerk. Das gaben das Münchner Unternehmen und die IG Metall bekannt. Beide Parteien hatten seit Bekanntwerden der Pläne im November weiterverhandelt – was die Verlagerung betrifft aus Sicht der Gewerkschafter aber ohne Erfolg. „Es ist bedauerlich, dass MAN im ganzen Verhandlungsprozess nicht bereit war, die Investitionsentscheidung in Frage zu stellen“, sagte Sibylle Wankel von der IG Metall.
Der Wegzug des neuen Karosseriebaus nach Polen ist Teil des Programmes „MAN2030+“, in dessen Rahmen der Münchner Lkw- und Bushersteller seine Kosten um 900 Millionen Euro bis zum Jahr 2028 senken will. Dazu soll auch ein Abbau von 2300 Stellen bis 2032 beitragen: 1300 davon in München, 400 in Nürnberg und 600 in Salzgitter. Im Gegenzug verzichtet der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen. Die Jobs sollen „entlang der demografischen Kurve“ wegfallen – also durch Verrentungen und freiwillige Abgänge und nicht nachbesetzte Stellen.
Für die verbleibenden deutschen MAN-Mitarbeiter gibt es eine Jobgarantie bis mindestens 2035, die bis 2040 verlängert werden kann, sofern MAN die Ziele des Sparprogrammes einhält. Die Erfolgsbeteiligungen und übertariflichen Leistungen sollen anders als geplant nicht wegfallen, das Stammwerk in München weiter im 2-Schichtbetrieb arbeiten. Außerdem wird rund eine Milliarde Euro für die Elektrifizierung und Digitalisierung in die deutschen Werke investiert, vor allem in die bayerischen Standorte. Für das Werk Salzgitter, das zum Logistikzentrum werden soll, gelten die Verhandlungsergebnisse vorerst aber nicht. Nach teils sehr kontroversen Gesprächen, die mehrmals vor dem Scheitern standen, sei das Ergebnis der „bestmögliche Kompromiss für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte MAN-Betriebsratschefin Karina Schnur. Noch vor Weihnachten hatte der MAN-Betriebsrat betont, dass eine Verlagerung des Karosseriebaus den gesamten Standort München mittelfristig in Frage stelle.
Die MAN ist Teil des angeschlagenen VW-Konzerns. Anders als die Pkw-Marken des Konzerns hat der Nutzfahrzeughersteller bereits eine Rosskur samt massiven Stellenstreichungen, Verlagerungen ins Ausland und Werksschließungen hinter sich und ist wieder profitabel. HÖSS