Baywa-Beben erfasst die IHK

von Redaktion

Peter Inselkammer ist Wirt des Armbrustschützenzeltes und Sprecher der Wiesnwirte. Er vertritt Lutz bis zur nächsten IHK-Wahl im Juli. © Michaela Stache

München – Peter Inselkammer wird Klaus Josef Lutz als Präsident der IHK für München und Oberbayern sowie des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags ersetzen. Das gab die Kammer am Freitag bekannt. Die Entscheidung war nötig geworden, da am Mittwoch bei Lutz eine Razzia stattgefunden hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Baywa-Chef und aktuellen IHK-Präsidenten Untreue vor. Lutz wäre eigentlich bis zur IHK-Vollversammlung am 8. Juli Chef der Kammer gewesen, dort wollte er sich für eine weitere Amtszeit zur Wahl stellen. Nun vertritt ihn Inselkammer bis dahin und Lutz wird nicht erneut kandidieren. Faktisch legt er damit sein Amt als IHK-Chef nieder.

Peter Inselkammer stammt aus einer Münchner Gastronomen-Dynastie, der unter anderem die Ayinger-Brauerei gehört. Er arbeitete schon früh im Betrieb seines Vaters mit, zu dem das Wirtshaus Ayinger am Platzl und das Platzl Hotel gehören. Vor zehn Jahren übernahm Peter Inselkammer von seinem Vater das Armbrustschützenzelt auf dem Oktoberfest, seit 2017 ist er zusammen mit Christian Schottenhamel Sprecher der Wiesnwirte. Erst im Dezember hat er das Luxushotel Alpenhof in Murnau gekauft.

Lutz stolperte über Untreue-Ermittlungen

Bei der Vollversammlung der IHK ist Inselkammer seit 2011 Mitglied, seit 2021 ist er im Präsidium und von 2019 bis 2021 war er Vorsitzender des Tourismusausschusses. Er wird in der IHK auch Wogen glätten müssen. Sein Vorgänger Lutz war wegen seiner Zeit bei der Baywa in der IHK zuletzt umstritten. In seiner Ära türmte der Agrarkonzern Milliardenschulden auf, unter denen die Baywa 2024 beinahe kollabierte. Kritiker warfen Lutz zudem vor, aus der Baywa einen Selbstbedienungsladen mit hoch bezahlten Beratern und langjährigen Seilschaften gemacht zu haben. Lutz ist Teil des CSU-Netzwerkes, in der Baywa arbeiteten über viele Jahre zahlreiche Freunde und Parteikollegen von Lutz an zentralen Stellen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun unter anderem auf Basis interner Untersuchungen bei der Baywa gegen den 67-jährigen Juristen und Manager. Der Aufsichtsrat der Baywa hatte eine Kanzlei beauftragt, nach möglichen Verfehlungen und Rechtsbrüchen in der Ära Lutz zu suchen. Am Mittwoch um sechs Uhr morgens wurden die Privaträume von Lutz untersucht. Laut Insidern gab es bei 18 weiteren Personen Hausdurchsuchungen.

Unklarheit über Aufsichtsrats-Job

Neben seinem IHK-Amt ist Lutz auch Chef des Aufsichtsrats bei Giesecke und Devrient. Das 1852 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in München und ist Weltmarktführer beim Druck von Bargeld – einem hochsensiblen Wirtschaftsbereich. Der Konzern arbeitet mit 145 Zentralbanken weltweit zusammen, unter anderem mit der Deutschen Bundesbank. Ob Lutz nach der Hausdurchsuchung und den Untreue-Vorwürfen der Staatsanwaltschaft auch dort sein Amt niederlegt, ist bisher nicht bekannt. Giesecke und Devrient wollte sich am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern. „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir diese Angelegenheit derzeit nicht kommentieren“, sagte ein Unternehmenssprecher.

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