Ein Jahr Trump – und die Folgen

von Redaktion

Starke Einbußen mussten die deutschen Autobauer hinnehmen. Hier stehen hunderte Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns im Hafen von Emden zur Verschiffung bereit. © Sarbach/dpa

Washington – Ob aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein „Lieblingswort“ bezeichnete. Gegen die EU, China oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle.

Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht. Doch Brüssel musste große Zugeständnisse machen – etwa den zollfreien Import von amerikanischen Autos nach Europa. Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft.

■ Dauer-Schock für die Konjunktur

„Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach“, sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. „Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.“

Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab.

Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie weiterer Entlastung für die Wirtschaft erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert.

■ Zoll-Hammer trifft Autobranche

Gerade die deutsche Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten.

In der Folge brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA ein. Noch 2024 gingen laut dem Branchenverband VDA fast 450 000 Autos in die Vereinigten Staaten, knapp ein Neuntel der Gesamtproduktion. In den ersten elf Monaten 2025 waren es laut VDA acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, in den Monaten ab der Zoll-Einführung im April lag das Minus mit 16 Prozent doppelt so hoch.

■ Handelsabkommen ein Ausweg

Das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten kann nach Einschätzung des Ifo-Instituts Einbußen der US-Zollpolitik abfedern. „Die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ist ein wichtiger erster Schritt“, erklärt Expertin Flach. „Es sind aber zusätzliche Handelsabkommen mit weiteren Handelspartnern nötig, um die negativen Folgen der US-Zollpolitik zu kompensieren.“

Die EU müsse sich darauf konzentrieren, auch in den derzeit laufenden Freihandelsverhandlungen zügig zu Ergebnissen zu kommen.

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