Brüssel/Athen – Wenn mit Kyriakos Pierrakakis am 19. Januar das erste Mal ein Grieche das Treffen der Euro-Gruppe leitet, das die Steuer- und Wirtschaftspolitik der Eurozone koordiniert, ist das etwas Besonderes. Ist die schwere griechische Staatsschuldenkrise, die Kern der Eurokrise war, doch gerade mal zehn Jahre her – und hat bis heute Folgen.
Entsprechend war Pierrakakis´ Kür zum neuen Chef der Schaltzentrale der Euro-Länder Mitte Dezember in Griechenland gefeiert worden. Der konservative Premier Kyriakos Mitsotakis sagte in seiner Fernsehansprache: „Heute ist ein Tag des Stolzes für das Land, die Regierung und alle Bürger.“ „Wir sind Euro-Gruppe!“, prangte in „Bild“-Manier sinngemäß auf den Titelseiten der regierungsnahen Presse in Athen – unter dem Konterfei des Wirtschafts- und Finanzministers.
Kyriakos Pierrakakis, 42, ein Hüne, pechschwarzes Haar, hatte am 28. November seine Kandidatur für die Nachfolge des bisherigen Eurogruppen-Chefs Paschal Donohoe angekündigt. Der Ire wechselt zur Weltbank. Der Grieche witterte seine Chance undsetzte sich locker gegen seinen einzigen Mitbewerber, den belgischen Finanzminister Vincent Van Peteghem, durch. Und dies, obgleich Pierrakakis erst seit dem 15. März an der Spitze des Finanzministeriums in Athen steht und nicht einmal ein studierter Ökonom ist.
Der Grieche hat viel vor. In seinem Bewerbungsschreiben für den Vorsitz der Euro-Gruppe führt Pierrakakis seine Prioritäten auf: Erstens soll eine Spar- und Investitionsunion mit einer vertieften finanziellen Integration Investitionskapital mobilisieren. Ferner sieht der Grieche in der Vollendung des Binnenmarkts den stärksten Wachstumstreiber Europas.
Drittens will er das Mega-Projekt digitaler Euro vorantreiben, ein Schlüsselvorhaben, vor allem in Verbindung mit der neuen EU-Geldwäschebehörde AMLA mit Sitz im Frankfurter Messeturm, die am 1. Juli 2025 ihre offizielle Tätigkeit aufnahm. Digitaler Euro und AMLA dürften Beobachtern zufolge den Weg für die Etablierung eines europaweiten Vermögensregisters ebnen.
Schließlich soll die Euro-Gruppe laut Pierrakakis-Agenda fortan strukturelle Zukunftsfragen wie Stabilität, Demografie und Produktivität angehen. Pierrakakis‘ Amtszeit dauert bis Mitte 2028.
FERRY BATZOGLOU