GASTKOMMENTAR

„Noch können wir unsere Welt gestalten“

von Redaktion

Was die Zukunft angeht, gehen viele davon aus, dass Künstliche Intelligenz (KI) viele Bereiche, die der Mensch heute noch regelt, übernehmen wird. Sie sprechen von einer friedlichen Koexistenz. Die Skeptischen gehen davon aus, dass KI ein neues Wesen erschaffen, das die Kontrolle über die Menschheit nicht nur übernimmt, sondern diese auch domestiziert und überflüssig macht.

Der Wettbewerb um die neuen Technologien wird weltweit mit Wucht betrieben. In Deutschland sind wir leider weit weg. Unsere Technikfeindlichkeit hat dazu geführt, dass wir aus Angst viele Regelungen treffen, ohne zu verstehen, welche Entwicklungen uns nutzen und welche uns schaden.

Jeder weiß, dass KI der Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung ist. In allen Feldern, in denen die KI Aufgaben von Menschen übernimmt, haben diese weniger und am Ende keine Arbeit mehr. Alle, die dies nicht verstehen, werden an den Rahmenbedingungen scheitern.

Unsere Gesellschaft hat die Entwicklung des Internets, insbesondere was Social Media angeht, nie verstanden. Hier wird nicht nur Meinung gemacht, hier werden auch personenbezogene Daten abgezogen. Jeder, der diese Entwicklung kritisch begleitet hat, wurde als „technikfeindlich“ angesehen.

Mittlerweile hat aber jeder verstanden, dass die Webkonzerne nur ein Interesse haben: möglichst viel Geld. Nun sind wir alle auch noch Opfer der künstlichen Dummheit der Maschinen. Mit unseren persönlichen Informationen werden die Computer gefüttert zum „Training“. Dies hat nur einen einzigen Sinn: Die großen Plattformbetreiber wollen noch besser verstehen, wie der Mensch „tickt“, und die KI soll lernen, noch menschlicher zu erscheinen und mehr Nähe zu zeigen. Dabei ist alles nur Schein. Während unsere privaten, nationalen und regionalen Medien wirtschaftlich unter Druck stehen, fließt das Gros der deutschen Werbeetats in die Kassen der Webgiganten. Ganz zu schweigen davon, dass diese US-Konzerne unsere Infrastruktur nutzen und keine Steuern zahlen.

Angst bekommen in Deutschland mittlerweile viele, weil sie die Entwicklung der Social Media bei ihren Kindern beobachten. Dabei zeigt kaum ein Erwachsener Vorbildcharakter im Umgang damit. Aber im digitalen Raum braucht man eben genauso Regeln wie im normalen. Es ist bequemer und einfacher, andere dafür verantwortlich zu machen, zum Beispiel Lehrer, als selbst die Kinder zu erziehen.

Wir sind in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite benötigen wir KI für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Auf der anderen Seite verlieren wir den sozialen Zusammenhalt und die freie Meinungsbildung dank der asozialen Medien. Wie sollen wir damit umgehen?

In der ach so leichten digitalen Scheinwelt eigenständig und selbstverantwortlich zu bleiben, ein denkender Mensch, ist nicht einfach. Aber ist dies nicht eine Verantwortung, der wir uns alle stellen müssen?

Wir müssen unsere Technikfeindlichkeit ablegen und lernen, was digitale Systeme können, aber auch, was sie mit uns machen. Ein selbstbewusster Umgang und eine private digitale Souveränität sind hierfür Voraussetzung. Noch können wir unsere Welt gestalten. Noch ist es nicht zu spät.FRANK MEIK

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