ifo: 10-Prozent-Steuermodell

von Redaktion

München – In der Debatte um die Neugestaltung der Erbschaftsteuer gibt es einen neuen Vorschlag von Ökonomen: Das ifo-Institut stellte am Donnerstag ein „Flat-Tax“-Modell vor. Der Vorschlag sieht einen niedrigen Steuersatz etwa in Höhe von zehn Prozent vor, der für alle Vermögensarten gelten soll. Zudem sind hohe individuelle Freibeträge sowie großzügige Stundungsregelungen für Betriebsvermögen vorgesehen. Andere bestehende Vergünstigungen und Sonderregelungen sollten abgeschafft werden.

Die bislang geltenden Sonderregelungen in der Erbschaftsteuer führten zu einer „teils sehr unfairen Steuerlastverteilung“, erklärte ifo-Präsident Clemens Fuest.. Eine komplette Abschaffung der Sonderregeln für Betriebsvermögen ohne eine Absenkung des Steuersatzes würde aber „existenzbedrohend für viele mittelständische Unternehmen sein und erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten“.

Deshalb sei ein „Flat-Tax“-Modell angebracht. „Durch einen niedrigen und einheitlichen Steuersatz, der für alle Vermögensarten gilt, könnten Unternehmenserben die Steuerlast tragen“, erklärte Fuest gegenüber unserer Zeitung. Durch die Vereinfachung des Systems würden zudem Bürokratie- und Anpassungskosten für Unternehmen wegfallen.

Sollte der Vorschlag des ifo-Instituts umgesetzt werden, müsste der Staat aber mit einem geringeren Aufkommen rechnen. 2024 lag die festgesetzte Erbschaft- und Schenkungsteuer laut Statistischem Bundesamt bei 13,3 Milliarden Euro. „Wie hoch genau das Steueraufkommen bei einem Steuersatz von 10 Prozent wäre, haben wir aber nicht simuliert“, sagte Fuest.

„Es kann aber durchaus sein, dass man bei einem Steuersatz von 10 Prozent unter dem aktuellen Aufkommen liegen würde.“ Fuest verwies dabei auf Studien, wonach das Aufkommen bei einem Steuersatz von 15 Prozent aufkommensneutral wäre.

„So wahnsinnig hoch ist das Erbschaftsteueraufkommen auch gar nicht, wenn man sich das gesamte Steueraufkommen anschaut.“ Im Jahr 2024 machte die Erbschaftsteuer laut der ifo-Studie lediglich ein Prozent am gesamten Steueraufkommen aus. „Insofern war die Höhe des Aufkommens auch nicht der zentrale Punkt unseres Vorschlags“, betonte Fuest. Ihm gehe es vielmehr um eine Vereinfachung des Systems.

Am Ende müsse ohnehin die Politik über die Höhe des Steuersatzes entscheiden. Fuest warnte aber: „Je höher der Steuersatz ist, den man erhebt, desto größer ist der wirtschaftliche Schaden.“ Man müsse bedenken, dass Firmen bei einer höheren Steuer nicht mehr investieren oder sogar abwandern. „Dann haben wir auch weniger Einnahmen aus der Einkommensteuer und aus der Umsatzsteuer, das darf man nicht vergessen.“SH

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