„Unser Gold ist bei Trump nicht sicher“

von Redaktion

Jerome Powell verteidigt die Unabhängigkeit seiner Notenbank. Doch US-Präsident Donald Trump will einen Kandidaten seiner Wahl installieren. © SAUL LOEB, afp

Die deutschen Goldreserven haben einen Wert von etwa 440 Milliarden Euro. © Arne Dedert, dpa

New York/Brüssel – Über 3300 Tonnen mit einem Marktwert von etwa 440 Milliarden Euro: Die deutsche Bundesbank besitzt nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Über ein Drittel davon lagert bei der US-Notenbank Fed in New York, genau 1236 Tonnen für aktuell 164 Milliarden Euro. Bei Markus Ferber löst das heftige Bedenken aus. „Unser Gold ist bei Trump nicht sicher“, sagt der CSU-Europaparlamentarier. Er setze sich schon länger für einen Rücktransport nach Deutschland ein, „jetzt wird die Sache aber immer dringender.“

Der CSU-Politiker ist nur eine Stimme in einem Chor, der immer lauter wird. Von 2013 bis 2017 hatte die Bundesbank schon einmal 674 Tonnen zurück nach Deutschland geholt, 374 Tonnen aus Paris und 300 Tonnen aus New York. Neben Ferber, ein paar anderen Politikern und dem Bund der Steuerzahler haben sich danach vor allem Verschwörungstheoretiker um das Thema gekümmert. Mit den immer tieferen Gräben zwischen Europa und den USA seit dem Amtsantritt Donald Trumps als US-Präsident ändert sich das. Sogar Katharina Beck, die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, sorgt sich nun, das Edelmetall könne „zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen“ werden.

Die hohen deutschen Goldreserven stammen aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Im Bretton-Woods-System mussten importierende Länder Exportnationen zum Ausgleich für ihre Leistungsbilanzdefizite Goldbestände überschreiben. Der wachsende Goldbestand war also ein Ausweis deutscher Wirtschaftskraft. Wegen dem schwunghaften Handel mit den USA lag schon damals viel deutsches Gold in New York. Und weil man im Kalten Krieg aus Angst vor einem russischen Überfall nicht das gesamte Edelmetall in Frankfurt lagern wollte, blieben auch nach dem Ende von Bretton-Woods Tausende Barren in London, Paris und eben am Big Apple.

Was einst der Sicherheit galt, sehen heute allerdings einige als Risiko. Donald Trump zeigt immer mehr, dass Freundschaften, Verträge und Regeln für ihn nur dann gelten, wenn sie ihm nutzen. Auch einen konkreten Anlass zur Sorge gibt es. Bisher ist die Fed, bei der das deutsche Gold lagert, unabhängig. Trump rüttelt aber mächtig an diesem Status, weil er niedrige Zinsen für einen Aufschwung erzwingen will. Im Mai läuft der Vertrag des widerborstigen Fed-Chefs Jerome Powell aus, der bisher jeden Angriff Trumps stoisch abwehrt. Der US-Präsident dürfte dann einen seiner Günstlinge als Nachfolger einsetzen. Nebeneffekt: Er hätte damit auch besseren Zugriff auf das deutsche Gold. „Wenn der neue Fed-Chef nach Trumps Pfeife tanzt, kann alles passieren“, befürchtet Markus Ferber. Deutschland müsse sein Gold zurückholen, fordert er deshalb – und zwar bevor Powells Amtszeit ende.

Doch wie real ist die Gold-Gefahr wirklich? Das ist umstritten. Ökonomen wie Clemens Fuest von Münchner ifo-Institut oder Michael Hüther vom IW Köln warnen vor Panikmache. Hüther sorgt sich eher um die große Abhängigkeit im Zahlungssystem, etwa bei Paypal oder Kreditkarten. Europa müsse dort Alternativen aufbauen, sagte er der „Rheinischen Post“. Auch innerhalb der Union ist man uneins. In der aktuellen Lage öffentlichkeitswirksam über den Abzug der Goldreserven zu spekulieren, sei „nicht förderlich“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Fritz Güntzler, der Zeitung.

Am Ende müsste ohnehin die Bundesbank über eine Rückholaktion entscheiden. Sie ist für die Währungsreserven verantwortlich und wie die Fed unabhängig von der Politik. Im Oktober habe sich Bundesbankchef Joachim Nagel zuletzt zu den Goldreserven geäußert, sagten die Währungshüter auf Anfrage des „Handelsblatts“. Nagel verwies damals auf regelmäßige Stichproben bei der Fed und sagte, das Gold sei „vorhanden“ und „echt“. Ferber, der im Währungsausschuss des EU-Parlaments sitzt, beruhigt das nicht. Man werde bei der Inspektion in einen Keller der Fed geführt und vor einen Berg an Barren gestellt, berichtet er. Ob der dann Deutschland oder den USA gehöre, sei aber eine ganz andere Sache.

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