Wocheneinkauf per Klick

von Redaktion

Der Markt ist noch nicht gesättigt. Die Deutschen waren lange Zeit eher zurückhaltend bei der Online-Bestellung von Lebensmitteln. © Christin Klose, dpa

Köln/München – Der Mann mit der roten Jacke reicht sechs gut gefüllte Plastiktüten über die Türschwelle. Nach etwa 30 Sekunden verabschiedet er sich, der Wocheneinkauf ist erledigt. Warum noch ins Geschäft gehen, wenn es auch anders geht? Die Menschen in Deutschland kaufen Produkte des täglichen Bedarfs (FMCG) wie Lebensmittel zunehmend im Internet, meist mit dem Smartphone. Das Online-Bestellvolumen stieg im vergangenen Jahr voraussichtlich um mehr als zehn Prozent, wie das Handelsforschungsinstitut IFH Köln berichtet.

Es sei bequem, sich Lebensmittel nach Hause liefern zu lassen, sagt IFH-Experte Hansjürgen Heinick. „Nicht zu unterschätzen ist dabei die Zeitersparnis und auch, dass die Ware mitunter in die dritte Etage bis zur Wohnungstür geliefert wird.“ Die zunehmende regionale Verbreitung von Lieferdiensten wie Rewe und Picnic sorge für zusätzliche Nachfrage.

Das starke Wachstum erklärt sich auch dadurch, dass Online-Umsätze und der Online-Marktanteil bei Lebensmitteln noch vergleichsweise gering sind. Bei Elektronik und Mode gilt der Online-Markt als gesättigt. Entsprechend lukrativ sind die Aussichten für die Händler. Der Markt habe deutlichen Nachholbedarf, sagt Heinick. Lebensmittel seien die letzte Bastion des stationären Handels, die noch wachse. „Die Online-Konkurrenz ist auf dem Weg, auch diese Branche ins Internet zu verlagern.“ Frühere Versuche von Online-Supermärkten wie Amazon Fresh seien gescheitert, neue Anbieter wie Knuspr und Picnic verfügten jedoch über Kapital und Ausdauer, bestehende Marktstrukturen anzugreifen.

Laut dem Marktforscher NIQ liegt Rewe 2025 vor dem reinen Online-Supermarkt Picnic auf dem ersten Platz. In den Zahlen der Supermarktkette sind allerdings auch die Umsätze aus Click & Collect enthalten. Kunden können online bestellen und die Ware in der Filiale abholen.

Berücksichtigt man nur Lieferungen nach Hause, ist Picnic inzwischen Spitzenreiter. Das Unternehmen, an dem Edeka beteiligt ist, konnte 2025 nach eigenen Angaben um mehr als 30 Prozent zulegen. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 605 Millionen Euro. Beliefert werden mehr als eine Million Kunden in mehr als 250 Städten, bei Rewe in 91 Städten samt Umland. Zahlen zu Kunden und Umsatz nennt das Unternehmen nicht. Zu den großen Anbietern zählen außerdem Flaschenpost, Flink und Knuspr, das in Partnerschaft mit Amazon liefert.

Picnic hat einen Mindestbestellwert von 45 Euro und liefert dann kostenlos. Bei Rewe gibt es einen Tag mit kostenfreier Lieferung in der Woche. An den übrigen Tagen kostet die Zustellung bis zu 4,90 Euro, ab 120 Euro ist sie kostenlos. Den Kunden werden – je nach Nachfrage – in der Regel Lieferzeiten für die kommenden Tage angeboten, bei Rewe teilweise noch für denselben Tag. Die Tragetaschen nehmen Fahrer beim nächsten Liefertermin wieder mit.

Bei Rewe und Picnic stehen mehr als 12 000 Produkte zur Auswahl. Beide Anbieter betonen, dass die Preise denen im Supermarkt entsprechen.

Bei einer YouGov-Umfrage gaben 15 Prozent an, einmal pro Woche oder häufiger Alltagsware online zu bestellen, weitere 21 Prozent mehrmals im Monat und 27 Prozent einmal monatlich. Am häufigsten werden Körperpflege-, Kosmetik- und Hygieneprodukte bestellt, gefolgt von Haushaltswaren und Lebensmitteln.

Die Gründe sind vielfältig. Als wichtigste Vorteile des Onlinekaufs nennen die Befragten Bequemlichkeit und die Lieferung nach Hause (60 Prozent) sowie Zeitersparnis (47 Prozent). Viele wollen Wege zum Geschäft (42 Prozent) und Menschenmengen vermeiden (36 Prozent). DPA

Artikel 9 von 10