Silber ist nicht nur als Geldanlage, sondern auch als Rohstoff in der Industrie gefragt. Das beeinflusst die Preise. © dpa
München – In Krisenzeiten fließt Kapital traditionell in Edelmetalle, weil Anleger nach sicheren Alternativen zu vermeintlich risikoreicheren Anlageformen suchen. Aktuell treiben vor allem die Auseinandersetzung mit den USA über die Zukunft Grönlands und Sorgen vor neuerlichen Störungen des Welthandels den Silberpreis. Auch wenn die Zolldrohungen von Donald Trump vorerst vom Tisch sind, bleibt die Nervosität an den Finanzmärkten hoch.
Befeuert hatte das Interesse an Silber jüngst außerdem dessen Aufnahme in die US-Liste der kritischen Mineralien. Damit stuft die US-Regierung Silber offiziell als Rohstoff ein, dessen Bestände relevant sein können für die nationale Sicherheit. Von Sonderzöllen sieht Washington bislang jedoch ab. Dennoch klettern die Silberpreise seit Monaten kräftig. Analysten registrieren beinahe eine Verdreifachung innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
Silber ist ein wichtiges Industriemetall. Gebraucht wird es zum Beispiel für die Produktion von Batterien oder in der Medizin. Auch bei den Erneuerbaren Energien spielt Silber eine große Rolle, etwa bei der Herstellung von Solar-Paneelen oder Windrädern. Experten rechnen damit, dass die bekannten Vorkommen nur noch wenige Jahrzehnte reichen. Nach Erwartung der Großbank HSBC dürfte der Silberpreis auch heuer weiter steigen. Ähnlich beurteilt die Entwicklung der Washingtoner „World Silver Survey“.
Zur Absicherung der Ersparnisse taugt das Edelmetall nach Meinung von Fachleuten dennoch nur bedingt. Wegen seiner Bedeutung für die Industrie reagiert der Silberpreis sensibler auf das Auf und Ab der Konjunktur als beispielsweise Gold.
Schrumpft die Wirtschaftsleistung, zieht sie die Notierungen für Silber häufig mit nach unten. Der Silberpreis entkoppele sich zusehends von den Goldnotierungen, konstatiert HSBC-Analyst James Steel. In der zweiten Jahreshälfte wachse das Risiko für Rücksetzer.
„Der diesjährige Anstieg der Preise für Gold, Silber und Platingruppenmetalle auf Rekordhöhen war zu schnell“, befürchtet auch der Edelmetallhändler Heraeus und erwartet eine Konsolidierungsphase. Die Rallye werde künftig womöglich weniger linear verlaufen. Kursschwankungen könnten Anleger auf eine harte Probe stellen. Ein wichtiger Faktor für die globale Nachfrage bleibt China. Das Land arbeitet mit Hochdruck an silbersparenden Technologien.
Vom hohen Preisniveau profitieren nicht zuletzt Edelmetallhändler. Viele sprechen mit Blick auf 2025 bereits von einem Rekordjahr. Verbraucher, die Silber bei einem Edelmetallhändler kaufen möchten, sollten bedenken, dass diese an dem Handel mitverdienen wollen, rät die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ankaufs- und Verkaufspreis differierten zum Teil deutlich.
Beim Kauf von Silber fällt zudem – anders als bei Gold – die volle Mehrwertsteuer an. Auch die Aufbewahrung kostet für die, die keinen eigenen Safe haben. Edelmetall-Händler benötigen außerdem keine besondere Zulassung. Es gebe unseriöse Anbieter am Markt.
Wer angesichts des hohen Preisniveaus altes Familiensilber zu Geld machen möchte, kann das unter anderem bei sogenannten Scheideanstalten tun. Das sind spezialisierte Unternehmen, die Edelmetalle aus Schmuck oder Besteck herauslösen und wiederverwerten.
Berechnet werde der Silberanteil bei Löffeln, Messern, Gabeln oder Schmuck nach dem prozentualen Gewichtsanteil, erklärt eine Sprecherin der ESG Edelmetall-Service aus Rheinstetten: „Wegen des in letzter Zeit steil nach oben geschnellten Silberpreises wird man staunen, was seine Schubladenschätze aktuell für einen Wert haben“, heißt es.