Bayern baut auf Indien-Deal

von Redaktion

Bislang exportierte Deutschland nur 3000 Autos pro Jahr nach Indien. Grund waren die hohen Zölle. © dpa/ afp

Pasta, Wein und Gemüse sind Teil des Abkommens, andere Agrarprodukte nicht.

Hand darauf: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der indische Premier Narendra Modi (Mitte) und der Präsident des Europäischen Rates Antonio Costa unterzeichneten das Abkommen in Neu-Delhi. © SAJJAD HUSSAIN, afl

München – Die deutsche Industrie gewinnt mit dem Handelsabkommen zwischen der EU und Indien einen neuen Absatzmarkt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premier Narendra Modi unterzeichneten das Abkommen in Neu-Delhi. Indien senkt seine Zölle auf Produkte wie Autos, Chemieprodukte, Wein und Pasta deutlich, auch der Handel mit Dienstleistungen soll einfacher werden. Industrieverbände sprachen von einem „Feiertag“.

„Gerade das verarbeitende Gewerbe aus Bayern, das 60 Prozent des Gesamtumsatzes im Ausland verdient, wird der größte Gewinner des Abkommens sein“, erwartet Manfred Gößl, der Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. Allerdings warnt er: „Einen Schuss ins Knie wie jüngst beim Mercosur-Abkommen darf es im EU-Parlament kein zweites Mal geben.“ Das Mercosur-Abkommen mit Südamerika war unlängst durch ein Votum im EU-Parlament gestoppt und zum Europäischen Gerichtshof überwiesen worden, wodurch sich der ganze Prozess deutlich verzögern wird.

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft begrüßte das Freihandelsabkommen als starkes Signal angesichts einer veränderten Weltlage. Durch den Wegfall der Zölle auf über 90 Prozent der Warenexporte der EU biete das Abkommen neue Absatzmöglichkeiten. Zölle auf die meisten Maschinen und elektrischen Ausrüstungen würden von 44 auf null Prozent sinken, erklärt vbw-Chef Bertram Brossardt. Auch die Zölle im Bereich Luft- und Raumfahrt, der für Bayern sehr wichtig ist, würden großteils wegfallen.

Brossardt kritisierte allerdings mit Blick auf die bayerische Schlüsselbranche Autoindustrie, dass das Abkommen eine Kontingentierung vorsehe. Die Obergrenze für die niedrigeren Zölle liegt bei 250 000 Autos, davon 160 000 Verbrenner und 90 000 Elektroautos.

Die heimischen Autobauer könnten laut Brossardt dennoch profitieren, zumal für Autos, die nach Indien exportiert werden, bislang Zölle von 110 Prozent anfielen. Diese sollen schrittweise auf zehn Prozent sinken, Autoteile sollen ganz zollfrei werden. Der Verband der deutschen Autoindustrie (VDA) sprach daher auch von einem „enormen Potenzial“ auf dem indischen Markt.

Indien profitiert in seiner Textil-, Leder-, Pharma- und Stahlindustrie von der Vereinbarung. Die EU gewährt indischen Stahlproduzenten nach Angaben eines Kommissionsbeamten künftig zollfreie Stahleinfuhren im Umfang von 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Damit erhält Indien eine Ausnahme von den erhöhten EU-Stahlzöllen, die im vergangenen Jahr beschlossen wurden. Die Quote liegt allerdings niedriger als Importmengen in früheren Jahren. Auch die europäische Landwirtschaft soll profitieren. Die Zölle auf Wein sollen von bislang 150 Prozent deutlich sinken – auf 20 Prozent für teurere und 30 Prozent für günstigere Weine. Die Zölle auf Olivenöl, Pasta und Schokolade sollen ganz wegfallen. Indien will im Gegenzug mehr Tee, Kaffee, Weintrauben und anderes Obst und Gemüse in die EU exportieren.

Andere Agrarprodukte wie Rind-, Schweine- und Hühnchenfleisch sowie Reis und Zucker sind nicht Teil des Abkommens. In Europa ist die Vereinbarung deshalb deutlich weniger umstritten als etwa das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten.

Das Freihandelsabkommen eröffnet der EU einen Markt mit über 1,4 Milliarden Menschen. Die Wirtschaft des Schwellenlandes wächst rasch: „Bis 2030 gehen wir von einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 6,5 Prozent pro Jahr aus“, so der vbw-Chef. Daher werde Indien in den kommenden Jahren an Deutschland und Japan vorbeiziehen und Rang 3 hinter China und den USA als weltgrößte Volkswirtschaften belegen. COM

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