Trotz Razzia bei Aufsichtsrat: Giesecke mauert weiter

von Redaktion

Haupteingang zum Geldschein-Konzern Giesecke und Devrient an der Münchner Prinzregentenstraße. © Jens Hartmann

München – Auch zwei Wochen nach der Hausdurchsuchung wegen Untreue-Vorwürfen bei Klaus Josef Lutz äußert sich der Banknoten-Konzern Giesecke und Devrient nicht zur Zukunft seines Aufsichtsratschefs. „Prof. Klaus Josef Lutz ist Vorsitzender des Aufsichtsrates von Giesecke und Devrient“, heißt es lapidar auf die Nachfrage unserer Zeitung, ob Giesecke weiter an der umstrittenen Personalie festhalte. Der Konzern macht keine Angaben dazu, ob er Lutz für die Zeit der Ermittlungen als Chefkontrolleur beurlauben will oder ob dieser selbst sein Amt ruhen lässt. Er stärkt ihm aber auch nicht mit einem Hinweis auf Unschuldsvermutungen in laufenden Ermittlungen den Rücken.

Am 14. Januar um sechs Uhr Morgens waren die Privaträume von Lutz und weiteren Personen von der Staatsanwaltschaft München durchsucht worden. Dabei ging es nicht um Geschäfte von Giesecke und Devrient, sondern um Untreue-Ermittlungen rund um die Baywa – Lutz war von 2008 bis 2023 Chef des Agrarkonzerns und leitete bis 2024 dort den Aufsichtsrat. Nach Bekanntwerden der Razzia legte Lutz sein Amt als IHK-Chef in Bayern sofort nieder. Bis zu einer Neuwahl in diesem Jahr vertritt ihn dort der Wiesnwirt Peter Inselkammer.

Bei Giesecke und Devrient bleibt Lutz offenbar dennoch weiter Chef des Aufsichtsrats – obwohl die Münchner Firma in sensiblen Bereichen tätig ist. Das 1854 gegründete Traditionsunternehmen druckt unter anderem für die Bundesbank Geld. Es ist einer der weltweit führenden Hersteller von Banknoten, hat laut eigenen Angaben 145 Zentralbanken als Kunden und arbeitet beispielsweise an der Entwicklung des digitalen Euro mit.

Lutz kam schon in seiner Zeit als Baywa-Chef in den Aufsichtsrat von Giesecke und Devrient, nämlich 2014. Seit 2015 leitet er das Gremium, das dafür zuständig ist, den Vorstand und die Geschäfte des Unternehmens zu kontrollieren. Ob es wegen der Baywa-Ermittlungen nun Gespräche zwischen Lutz und dem Unternehmen gibt, wollte ein Sprecher von Giesecke und Devrient nicht kommentieren.

Beobachter sind irritiert über die Intransparenz bei Giesecke und Devrient: „Mich wundert es, dass es im Fall Lutz bei Giesecke keine Konsequenzen gibt und das Unternehmen bisher einfach nur mauert, statt Stellung zu beziehen“, sagt die erfahrene Rechtsanwältin und Anlegerschützerin Daniela Bergdolt. Ihrer Meinung nach wäre der einfachste Weg, dass Lutz sein Mandat für die Zeit der Ermittlungen ruhen lässt. Für Unternehmen sei es zwar schwer, einen Aufsichtsratschef zu entlassen oder zu beurlauben, es gebe aber Möglichkeiten. Nach Paragraph 103 des Aktiengesetzes könne zum Beispiel das Registergericht auf Antrag des Aufsichtsrats ein Mitglied abberufen, so die Juristin. ANDREAS HÖSS

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