Handwerk steckt weiter in der Krise

von Redaktion

Am Bau laufen die Geschäfte wieder etwa besser. Dafür kriseln industrienahe Betriebe, zudem leiden Dienstleister unter der Konsumschwäche. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

München – Für Bayerns Handwerkerpräsident Franz Xaver Peteranderl war auch 2025 ein Jahr zum Abhaken: Der Umsatz der Handwerksbetriebe im Freistaat ist nach Inflation um 2,1 Prozent auf 151,9 Milliarden Euro gesunken, die Zahl der Beschäftigten ging um 1,3 Prozent auf 956 000 zurück und nur noch 38 Prozent der Firmen investierten in ihren Betrieb – fünf Prozent weniger als 2024. „Die Verunsicherung ist nach wie vor sehr hoch“, sagte Peteranderl am Donnerstag bei der Jahresbilanz der Kammer in München. „Keiner weiß, was die Zukunft bringt.“

2025 war damit für Bayerns Handwerk das fünfte Krisenjahr in Folge. Der Wohnungsbau hat zwar die Talsohle durchschritten, was etwa Baufirmen, Elektriker oder Installateure spüren. Andere Gewerke leiden aber unter der Schwäche der Industrie. Dem Lebensmittelhandel sowie den privaten Dienstleistern macht außerdem die anhaltende Konsumschwäche der bayerischen Verbraucher zu schaffen. Ablesbar ist das unter anderem an den Aufträgen. Die Betriebsauslastung liege weiter bei lediglich 77 Prozent, so die Kammer. Auch der Auftragsbestand ist auf 7,9 Wochen gesunken, ein leichtes Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem bereits schlechten Vorjahr.

Hoffnung auf ein besseres Jahr 2026

Erstaunlich: Dennoch ist die Stimmung nicht völlig am Boden. Acht von zehn befragten Handwerksbetrieben im Freistaat bezeichnen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend. Das liege unter anderem daran, dass immer im Vergleich zum Vorjahr gefragt werde, erklärte Peteranderl. Gemessen an der Zeit vor der Corona-Pandemie sei die Lage für viele vermutlich aber „eine Katastrophe“, so der Handwerkspräsident.

Zudem gebe es einen kleinen „Silberstreif am Horizont“. Für 2026 rechnet die Kammer mit einem Umsatzwachstum von mindestens zwei Prozent. Die Hoffnungen ruhen hierbei auf den Milliarden aus dem Sondervermögen für Infrastruktur, welche die Bautätigkeit und die Konjunktur anschieben könnten. Die Zahl der Handwerker dürfte dennoch erneut um ein Prozent sinken – schon allein wegen der gesellschaftlichen Alterung, aber auch mangels geeigneter Bewerber. Im Moment seien bei den Arbeitsagenturen 30 000 offene Stellen gemeldet. 13 000 davon könnten nicht besetzt werden, weil Fachkräfte fehlen.

Handwerker fordern beherzte Reformen

Ohnehin würden schuldenfinanzierte Investitionen lediglich ein Strohfeuer entfachen, warnte Peteranderl. „Für ein deutliches Plus an Neuaufträgen fehlt weiterhin ein starker Impuls, etwa in Form von sinkenden Steuern und Abgaben.“ Mit ihnen würde die Politik Vertrauen in den Standort zurückgewinnen und einen selbsttragenden Aufschwung auslösen.„Aber auch die Kommunen können mit einer handwerkerfreundlicheren Politik die Bedingungen für unsere Betriebe verbessern“, sagte Peteranderl mit Blick auf die Kommunalwahlen im März.

Ein Beispiel: der Verkehr. Vor allem rund um München kämpfen Handwerker täglich mit Stau und Parkplatzmangel. Die Kammer fordert deshalb von der Stadt mehr Park-, Lade- und Lieferflächen – am besten digital buchbar. Um Platz auf den Straßen zu schaffen, solle sie das Anwohner- und Besucherparken verteuern und stärker in Parkhäuser verlagern. Auch ein guter ÖPNV sei wichtig, damit Azubis angesichts der hohen Mieten möglichst lange zu Hause wohnen und in die Arbeit pendeln könnten.

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