Kevin Warsh ist schon seit 2006 bei der Fed. Der Jurist hat lange für die US-Bank Morgan Stanley gearbeitet – und ist der Sohn eines engen Trump-Freundes. © KEVORK DJANSEZIAN
Washington – US-Präsident Donald Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger für den scheidenden US-Notenbank-Chef Jerome Powell vorgeschlagen. Er kenne Warsh seit Langem und gehe davon aus, dass er einen „großartigen“ Chef der Federal Reserve abgeben werde, erklärte Trump am Freitag. Der Senat muss Trumps Kandidaten noch als künftigen Chef der Federal Reserve (Fed) bestätigen. Powells Amtszeit endet im Mai.
An den Finanzmärkten hatte man seit Monaten befürchtet, Trump werde die Nachbesetzung des Fed-Chefpostens nutzen, um die Notenbank stärker unter seine Kontrolle zu bringen. Trump hat Powell bereits als „ahnungslos“ und „Dummkopf“ beschimpft, dessen Entlassung gefordert und niedrigere Zinsen verlangt. So könnten die USA ihre steigende Schuldenlast leichter Schultern. Außerdem würde billiges Geld die Wirtschaft unterstützen, gleichzeitig aber die hartnäckige Inflation weiter befeuern.
Warsh ist der Schwiegersohn des engen und langjährigen Trump-Freundes Ronald Lauder, der Präsident des jüdischen Weltkongresses ist. Der heute 55-Jährige Jurist, der lange für die Investmentbank Morgan Stanley gearbeitet hat, wurde 2006 von George W. Bush mit nur 35 Jahren für den Fed-Vorstand nominiert – als jüngstes Vorstandsmitglied in der Geschichte der Notenbank. 2017 soll ihn Trump als Nachfolger für die damaligen Fed-Chefin Janet Yellen erwogen haben. Er entschied sich dann aber für Powell, mit dem er seit Monaten im Clinch liegt. Derzeit ermitteln Bundesbehörden sogar gegen Powell. Dieser bezeichnete das als Versuch, die Unabhängigkeit der Fed zu untergraben. Ein staatlicher Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank gilt als folgenschwerer Tabubruch für das Finanzsystem.
Börsen atmen auf, Goldpreis stürzt ab
Ob der Senat Trumps Wunschkandidaten zustimmt, muss sich zeigen. Die Ermittlungen gegen Powell hatten dem Präsidenten auch Kritik aus den eigenen Reihen eingebrockt. So kündigte der einflussreiche Senator Thom Tillis an, er werde keinem Kandidaten für Notenbank-Posten zustimmen, bis die Angelegenheit geklärt sei. Dass Trump nun Warsh als Fed-Präsidenten vorschlägt, lindert die Sorgen über einen Zugriff auf die Fed aber etwas. Warsh gilt als geldpolitischer Falke, der eher zu strikter Inflationsbekämpfung und höheren Zinsen tendiert – das Gegenteil von dem, was Trump fordert. An den Börsen waren deshalb „Taco-Trades“ zu beobachten. Das im Zollstreit ersonnene Kürzel steht für „Trump always chickens out“, auf Deutsch: „Trump macht immer einen Rückzieher.“
Prominentestes Beispiel: Gold, das zu Warshs erstem Opfer wurde. Der Preis des Edelmetalls hatte in den vergangenen Tagen eine historische Rallye auf 5600 Dollar je Feinunze hingelegt, vor dem Wochenende stürzte es jedoch um zeitweise elf Prozent ab. Analysten begründeten dies damit, dass mit Warsh die Wahrscheinlichkeit sinke, dass die Fed zum willfährigen Instrument Trumps gemacht werde. Eben diese Angst um den Geldwert des Dollars hatte dazu geführt, dass Anleger sein Monaten Zuflucht im sicheren Hafen von Gold gesucht hätten. Allein 2025 hatte sich dessen Preis mehr als verdoppelt. GEO/HÖSS/DPA