Was nach einem Spiel aussieht, (im Bild Ministerpräsident Markus Söder und Josef Aschbacher, ESA-Generaldirektor, re.) könnte schon 2030 Realität werden: Ein bayerischer Fußabdruck auf dem Mond. © OHB
Weßling – Wann wird der erste Bayer seinen Fuß auf den Mond setzen? Auf ein Datum wollte sich gestern in Oberpfaffenhofen keiner festlegen. Doch das Raumfahrtunternehmen OHB und auch die Politik haben ehrgeizige Ziele. Schon um 2030 soll die unbemannte Landefähre Argonaut mit starker Beteiligung von OHB – aber auch mit Partnern aus ganz Europa – einen bayerischen Fußabdruck auf dem Mond hinterlassen. Und das Mondkontrollzentrum soll in Oberpfaffenhofen sein, quasi das „deutsche Houston“.
Dann sollen Roboter mit einem Mondlandeplatz den Boden für menschliche Mondmissionen bereiten. Dazu gehören vollautomatische Fabriken unter anderem zur Gewinnung von Baumaterialien und Wasser und automatische Baumaschinen, die eigenständig die Infrastruktur schaffen.
Das klingt nach einem Zeitplan, der enger ist als der, den der damalige US-Präsident John F. Kennedy im Auge hatte, als er in den 1960er-Jahren die Mondmission Apollo ankündigte. Und doch ist er nicht eng genug – zumindest, wenn es nach Marco Fuchs geht. „Wir sollten sehr schnell ein Zeichen setzen“, sagte der OHB-Chef. „Und nicht erst 2030.“ Europa müsse sich schon jetzt Gedanken für eine ständige Präsenz auf dem Mond machen.
Bisher läuft die Gesellschaft für den „European Moon Port“ unter der alleinigen Regie des zweitgrößten deutschen Raumfahrtkonzerns. Doch Fuchs ist offen für Kooperationen. Denn zur Umsetzung braucht OHB starke industrielle Partner.
Politische Unterstützung hat er. Ministerpräsident Markus Söder schwärmte von einer „kleinen bayerischen Flagge“ auf dem Mond. „Und einem kleinen Modell von Neuschwanstein.“
Doch der Hintergrund auch für Söder ist sehr viel ernster. Man müsse das gegenwärtige Gegeneinander auf der Erde überwinden, um gemeinsam den Weltraum zu erkunden. „Das ist auch eine demokratische Vision“, sagte er. Das sieht auch Josef Aschbacher so, der Präsident der Raumfahrtagentur ESA: „Wir müssen die Erde als einzigartigen Planeten schützen und die Menschen wieder zueinander bringen.“
Dass Deutschland und insbesondere Bayern mit hoher Investitionsbereitschaft zum wichtigsten Antreiber der europäischen Raumfahrt werden, hat sich schon auf der jüngsten ESA Ministerrats-Tagung gezeigt. Denn das Land hat trotz aller Schwächen mehr finanziellen Spielraum als andere – bislang ehrgeizigere – Länder wie Frankreich oder Italien. Markus Söder hat gestern schon mal einen Förderbescheid über 58 Millionen Euro an die DLR übergeben.
Und Bayern lockt dafür auch Unternehmen an. Projekte der Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung gelten im Freistaat als im „überwiegenden öffentlichen Interesse“, wie Söder sagte. Das heißt: Die sind auch gegen Widerstände leichter durchsetzbar.
Science-Fiction-Fan Söder selbst will, wie er sagt, „nicht zum Mond und auch nicht zum Mars“. Andere Bayern später aber schon. Und eben nicht nur zum Mond. Dieser sei „eine Zwischenstation“.