Ein kurzer Spannungsabfall im Hochspannungsnetz mit großer Wirkung auf die ganze Stadt. Ein Anschlag als Ursache wurde ausgeschlossen. © Stefanie Järkel, dpa
Stuttgart – Es ist kurz vor zehn Uhr am Morgen als in Stuttgart in Cafés und Geschäften kurz die Lichter flackern und in Büros auf einen Schlag das Internet weg ist. In vielen Teilen der Stadt fallen die Ampeln aus, Streifenpolizisten eilen zu größeren Kreuzungen und regeln den Verkehr, die Stadtbahnen bleiben zeitweise stehen.
Nach Angaben des Netzbetreibers Netze Stuttgart dauerte der Spannungsabfall im Hochspannungsbereich gestern gerade einmal 0,06 Sekunden. Grund für den Vorfall sei ein Schaltfehler eines Mitarbeiters in einem Umspannwerk von Stuttgart Netze gewesen. Eine Fremdeinwirkung sei ausgeschlossen.
Kunden mit einem Niederspannungsanschluss, also die normalen Stromkunden, hätten von dem Abfall höchstens ein Flackern bemerken können. Allerdings müssten Anlagen, die mit einer automatischen Unterspannungssicherung ausgestattet seien, durch die Kunden wieder manuell zugeschaltet werden.
Von dem kurzen Spannungsabfall wurden auch Teile der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Mitleidenschaft gezogen. Dies teilten die Stadtwerke mit. Betroffen seien etwa 360 halböffentliche Ladepunkte der SWS im Stadtgebiet, überwiegend in den Stuttgarter Tiefgaragen und an städtischen Standorten. Die Wiederinbetriebnahme laufe, sämtliche Überprüfungen vor Ort sollten bis Freitag abgeschlossen sein.
Falscher Feueralarm
Die Feuerwehr musste zu mehreren Einsätzen ausrücken, im ganzen Stuttgarter Stadtgebiet lösten Brandmeldealarme fälschlich aus. Richtige Brände habe es nicht gegeben. Auch größere Rettungsaktionen, etwa wegen eingeschlossener Menschen in Fahrstühlen, blieben einem Feuerwehrsprecher zufolge aus. Am Mittag nahm die Zahl der Einsätze deutlich ab, auch die Feuerwehr kehrte in den Normalmodus zurück, so der Sprecher.
Ampeln ausgefallen
Auch die Polizei rückte zu einigen Einsätzen aus. Wegen des Stromausfalls lösten Alarmanlagen aus, etwa in Juweliergeschäften. Bis in den Nachmittag hinein waren zudem Ampeln ausgefallen und Einsatzkräfte mussten den Verkehr an größeren Kreuzungen regeln. Die Menschen in der Stadt konnten zudem vorübergehend mit ihren Smartphones nicht mehr telefonieren, das Mobilfunknetz und das Internet fielen nach Angaben der Anbieter Telekom und Vodafone zeitweilig aus.
20 Minuten ohne Internet
„Insgesamt 5250 Kunden in der Landeshauptstadt konnten im Zeitfenster 9.45 Uhr bis 10.15 Uhr für jeweils etwa 15 bis 20 Minuten das Internet nicht nutzen und auch nicht telefonieren“, teilte ein Vodafone-Sprecher mit. Betroffen seien sowohl Mobilfunk- als auch Kabelkunden gewesen. Die Telekom konnte zunächst nicht sagen, wie viele Nutzer betroffen waren.
Die Fahrgäste von Stadtbahnen mussten zeitweise in den Zügen ausharren, auch sie blieben stehen. Die S-Bahnen und der Regionalverkehr der Deutschen Bahn (DB) waren nicht betroffen. Auch am Flughafen hatte der Stromausfall keine Auswirkungen.
Nach Angaben von Stuttgart Netze fällt in Stuttgart im Jahr acht Minuten der Strom aus. Im Bundesgebiet seien es 13 Minuten. Der Sprecher sagte, so ein Ereignis wie am Donnerstag sei ihm aus der jüngeren Vergangenheit nicht bekannt.