Kampf um die Dax-Krone

von Redaktion

München – Wer ist das wertvollste Unternehmen im Land? Drei Jahre lang war die Antwort stets: SAP. Ende Januar war der Titel dann plötzlich weg: Siemens überholte die Softwareschmiede aus Walldorf kurzfristig und rückte das Rennen um die Dax-Krone ins Rampenlicht.

Binnen eines Jahres hat SAP gut ein Drittel seines Werts verloren, Siemens fast ein Viertel hinzugewonnen. Beide Unternehmen schwanken grob um einen Marktwert von 200 Milliarden Euro. Den letzten Schubs für den zeitweisen Wechsel an der Spitze – aktuell ist SAP gerade wieder ein paar Milliarden weiter vorne – gaben enttäuschende Zahlen von SAP. Die Aktie stürzte zwischenzeitlich um rund 16 Prozent auf 165 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Doch es gibt auch längerfristige Trends: Zum einen ist die Softwarebranche seit Monaten unter Druck. Das belastet SAP. Andererseits läuft die Siemens-Aktie seit Jahren gut – die Investoren goutieren die Fokussierung und den Wandel zum Technologiekonzern.

Früher war Siemens ein Industrie-Gemischtwarenladen, inzwischen hat der Konzern sich fokussiert, unter anderem durch die Abspaltungen ganzer Geschäftsbereiche als Healthineers und Siemens Energy. Gab es früher gerne irgendeinen Bereich, der die Zahlen verdarb, liefert das neue, schlanke Siemens seit Jahren solide starke Zahlen, 2025 gab es einen Rekordgewinn von 10,4 Milliarden Euro.

Auch Europas größter Softwarehersteller SAP hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Christian Klein, Chef des Dax-Konzerns, verfolgt eine Cloud-Strategie. Traditionell bestand das Geschäftsmodell von SAP darin, Software-Lizenzen zu verkaufen und die Programme vor Ort bei den Kunden zu installieren. Das brachte einmalig hohe Erlöse und in der Folge noch Geld aus Wartungsverträgen.

Die Softwarebranche steht seit Monaten unter Druck. Viele Investoren sind vorsichtig, weil die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und neue Wettbewerber die Branche verändern.

Welches der beiden Unternehmen wertvoller ist, mag gerade ein offenes Rennen sein, wer größer ist, ist dagegen keine Frage: Siemens hat einen riesigen Vorsprung. Im Geschäftsjahr 2025 machte SAP 36,8 Milliarden Euro Umsatz. Bei Siemens waren es 78,9 Milliarden Euro. Beim Gewinn sind sie beinahe gleichauf: Zwar standen bei SAP 7,5 Milliarden unter dem Strich und bei Siemens 10,4 – die Münchner hatten allerdings einen milliardenschweren positiven Sondereffekt aus dem Verkauf eines Geschäftsbereichs in den Zahlen.

Bei den Mitarbeitern ist das Bild dann wieder klar: SAP beschäftigte zuletzt 110 650 Menschen, Siemens 244 000 – ohne Healthineers gerechnet.

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