TÜV warnt vor „Fahrprüfung light“

von Redaktion

Der Führerschein soll billiger werden, auch dank einer geringeren Anzahl an Fahrstunden. Verkehrsexperten sehen darin ein Risiko. © Michael Gstettenbauer, IMAGO

München – Der Führerschein soll billiger werden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat gestern in Berlin umfassende Reformpläne vorgestellt. Günstiger werden soll der Führerschein unter anderem dehalb, weil es Fahrschülern in Zukunft erlaubt sein soll, private Übungsfahrten in Begleitung der Eltern durchzuführen. Es solle zunächst eine auf fünf Jahre befristete „Experimentierklausel“ eingeführt werden, sagte Schnieder. „Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer.“

Teile der Reformpläne stoßen aber auch auf heftige Kritik. Der TÜV-Verband verwies darauf, dass der Fragenkatalog für die Theorieprüfung um 28 Prozent auf 840 Fragen reduziert werden soll. Die Gesamtprüfungszeit bei der praktischen Prüfung soll sich um 27 Prozent auf 40 Minuten verringern. Die Zahl der verpflichtenden Sonderfahrten – also Überlandfahrten, Autobahnfahrten und Nachtfahrten – soll demnach von zwölf auf drei reduziert werden. „Das bisher erreichte Sicherheitsniveau bei der Fahrausbildung kann mit diesen Maßnahmen nicht gehalten werden“, warnte Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband. Was den Fragenkatalog angeht, liege Deutschland im europäischen Vergleich mit rund 1100 Fragen auf oder sogar unter dem Niveau von Ländern wie Frankreich, Österreich, den Niederlanden oder Schweden.

„Es ist der falsche Weg, die Anforderungen an den Führerscheinerwerb zu senken“, betonte Goebelt. „Eine ‚Fahrprüfung light‘ darf es nicht geben. Dann machen wir Erfolge bei der Verkehrssicherheit der letzten Jahrzehnte zunichte.“

Der TÜV-Verband verwies auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach Autofahrer im Alter zwischen 18 und 20 im Jahr 2024 insgesamt 13 862 Verkehrsunfälle verursacht haben, ein Rückgang von 45 Prozent im Vergleich zu 2010. Die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten 18- bis 25-Jährigen ist den Zahlen zufolge seit 2005 um 70 Prozent auf 319 im Jahr 2024 gesunken. Im gleichen Zeitraum seien die Theorie- und Praxisprüfungen digitalisiert und auf wissenschaftlicher Basis modernisiert worden, so der TÜV-Verband. „In einem immer komplexer werdenden Verkehrssystem brauchen wir Fahrschüler, die sehr gut vorbereitet sind“, betonte Goebelt.

Auch kritisierte der TÜV-Verband, dass die von der Regierung geplante Reform keine verpflichtenden Lernstandskontrollen vorsieht. Damit ist gemeint, dass vor der Prüfung geschaut wird, inwieweit die Fahrschülerinnen und Fahrschüler für die Prüfungen vorbereitet sind. „Die Feststellung der Prüfungsreife in den Fahrschulen ist ein einfaches Instrument, um die Durchfallquoten in der Theorie zu senken“, sagte Goebelt. „Weniger Wiederholungsprüfungen sind das wirksamste Instrument, wenn man echte Kostenreduzierungen erreichen möchte.“ Im vergangenen Jahr hatte es nach Angaben des Verbandes hohe Durchfallquoten gegeben. 44 Prozent der Fahrschüler scheiterten demnach bei der Theorieprüfung, 37 Prozent bei der praktischen Prüfung.

Goebelt sagte, die Reduzierung des Prüfkatalogs und der Prüfungsdauer habe dagegen kaum einen Effekt auf die Kosten, da die Kosten für die Prüfung selbst nur einen Anteil von etwa ein Prozent an den Gesamtkosten der Fahrausbildung ausmachten. „Hier steht die Kostensenkungen nicht im Verhältnis zum Schutz des Lebens und der Verkehrssicherheit.“

Der TÜV-Verband kann den Reformplänen allerdings auch etwas Positives abgewinnen: Die Digitalisierung der Fahrausbildung mit Online-Theoriekursen und Fahrsimulatoren seien überfällig, hieß es.

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