G+D-Chef Ralf Wintergerst (v. li), Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, EVP-Chef Manfred Weber und Stavros Kostantinidis, 2. Stellvertretender Vorsitzender der Europa-Konferenz. © Loredana La Rocca Photo
München – Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz ging es bei der Europakonferenz im Hause Giesecke+Devrient (G+D) um die digitale Souveränität Europas. Denn der Kontinent kann nicht ohne Software aus den USA und Halbleiter aus Ostasien – machten unter anderem G+D-Chef Ralf Wintergerst und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in ihren Eröffnungsvorträgen deutlich. Wintergerst warnte: Europa dürfe nicht zu einer „digitalen Kolonie“ werden. Stavros Kostantinidis Münchner Anwalt und Mitglied der Europa-Konferenz, legte den Finger auf die Wunde: Die Anbieter von Software könnten immer mit einem „Killswitch“ drohen, also dem Fremd-Abschalten der europäischen Computersysteme.
Einer, der schon früh unabhängig sein wollte, ist Gerd Chrzanowski, Leiter der Schwarz-Gruppe. Unter diesem Dach stehen nicht nur die riesigen Einzelhändler Lidl und Kaufland, sondern eine wachsende Digitalsparte. „Wir haben schon 2017 begonnen, unsere eigenen Server aufzubauen“, so Chrzanowski auf dem Podium. Und die Schwarz-Gruppe ist von Microsoft zu Google gewechselt: „Bei Google können wir die Daten auf unseren eigenen Servern lagern – und nur wir haben den Schlüssel dazu.“ Aktuell investiert die Schwarz-Gruppe elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum in Brandenburg.
Für Reiche, Wintergerst und Chrzanowski ist klar: Europa soll sich nicht von ausländischen Digitaldienstleistern abschotten. Aber es sollte keine einseitigen Abhängigkeiten von einer Herstellernation geben. „Wir müssen am Ende immer die Wahlfreiheit haben“, so Katherina Reiche. Und auch dieser Punkt wurde am Donnerstag deutlich: Europa muss seine exzellente Forschung auch in Wirtschaftsleistung übersetzen. So hätten an den führenden Quantencomputern meist deutsche Wissenschaftler mitgearbeitet.