Die Streikenden (im Bild Forstarbeiter aus Brandenburg) zeigten sich kämpferisch. Am Ende zahlten sich die Proteste von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst aus. © dpa
München/Podsdam – Die Landesbeschäftigten bekommen 5,8 Prozent mehr Einkommen in drei Stufen. Für die Bundesländer bedeutet dieser Tarifkompromiss für den öffentlichen Dienst einen Kraftakt, Bayern denkt über eine Verschiebung bei den Beamten nach. Doch es gibt auch Lob für die Gewerkschaften und Landesarbeitgeber, die den Durchbruch in Potsdam nach Wochen mit Warnstreiks und zähen Verhandlungen erzielten. Das gelang erst am vierten Tag der Schlussrunde nach einer Verlängerung. Zwei Nächte hintereinander rangen beide Seiten bis vier Uhr miteinander, wie es hieß.
Für rund 925 000 Tarifbeschäftigte der Länder gibt es eine Erhöhung in drei Schritten: zum 1. April 2026 um 2,8 Prozent, aber mindestens um 100 Euro; zum 1. März 2027 um weitere 2,0 Prozent; am 1. Januar 2028 um 1,0 Prozent. Die Gewerkschaften pochen auf eine zeitgleiche Übertragung auf die mehr als 1,3 Millionen Beamten und Pensionäre. Was bedeutet der Tarifabschluss?
■ Für die Bürger
Streikbedingt verzögerte Behandlungen an Unikliniken, ausgefallene Kita-Betreuung oder Staus wegen gesperrter Brücken und Tunnel – das alles ist erst einmal wieder vom Tisch. Für die Laufzeit bis 31. Januar 2028 ist beim öffentlichen Dienst Ruhe.
■ Für die Beschäftigten
Verdi-Chef Frank Werneke sagte: „Wir haben nicht alle Ziele erreicht, die wir uns in dieser Tarifrunde vorgenommen haben, aber doch viele.“ Entscheidend war für Verdi und den dbb Beamtenbund, dass die Erhöhung der Entgelte nicht niedriger ausfällt als im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen von 2025. Auf den ersten Blick war es eine Punktlandung: 5,8 Prozent mehr gab es auch damals, die Laufzeit von 27 Monaten ist ebenfalls gleich. In den Details gibt es aber Unterschiede.
Die Erhöhung macht mindestens 100 Euro im Monat aus, für Nachwuchskräfte 150 Euro. Die Arbeitsbedingungen im Osten sollen beim Kündigungsschutz und bei der Arbeitszeit an jene im Westen angeglichen werden. Letzteres betrifft die drei ostdeutschen Unikliniken in Rostock, Greifswald und Jena. Die Zulage für Schichtdienste steigt auf monatlich 100 Euro. Die Wechselschichtzulage steigt auf 200 Euro im Monat, in Krankenhäusern auf 250 Euro. Streit gibt es noch wegen der Übertragung auf die Beamten und Versorgungsempfänger. Bayern hatte Ende 2025 beim Ringen um den ausgeglichenen Haushalt angekündigt, das erst um sechs Monate verzögert für seine Beamten (etwa Lehrer und Polizisten) zu übernehmen. Der Beamtenbund, sonst milde gegenüber der Staatsregierung, schimpft. Der Plan sei „eine Missachtung der Leistungen der Beamten in Bayern“, sagt BBB-Landeschef Rainer Nachtigall.
■ Für die Länder
Tatsächlich wird genau darüber wohl nochmal geredet und nachgerechnet, heißt es in München. Die Verschiebung soll eine dreistellige Millionensumme sparen, ist aber bisher in keinem Gesetz festgeschrieben, lediglich eine mündliche Ankündigung. Finanzminister Albert Füracker (CSU) ließ das weitere Vorgehen offen: „Für den Freistaat Bayern mit hoher Personalausgabenquote wird die Umsetzung des Tarifergebnisses ein enormer Kraftakt“, sagte er. Nun werde „geprüft“, wie das Ergebnis auf die Beamten übertragen werde.
Kosten wird der Abschluss die Länder insgesamt 12,34 Milliarden Euro, wie ihr Verhandlungsführer Andreas Dressel (SPD) sagte.