Ingo Wortmann, MVG-Chef. © Astrid Schmidhuber
München – Wird das Deutschlandticket neuerlich verändert und künftig auf dem Smartphone mit einem Foto versehen? Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist alarmiert über einen Vorschlag, mit dem der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) am Sonntag vorgeprescht war. Schweitzer hatte im „Bericht aus Berlin“ der ARD vorgeschlagen, alle Deutschlandtickets künftig mit einem Foto des Ticketinhabers zu versehen. Dann wäre das Ticket quasi fälschungssicher. Hintergrund ist, dass den Zugbegleitern Identitätskontrollen der Fahrgäste erspart werden sollen. Verlangen sie neben der Fahrkarte auch noch einen Ausweis, sei das oft „Auslöser für eine erhebliche Grundaggressivität“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Beim Sicherheitsgipfel der Bahn am Freitag war daher auch vereinbart worden, dass die Zugbegleiter künftig nur noch freiwillig eine Identitätskontrolle vornehmen sollen.
Doch die Idee mit dem Foto hält man beim VDV für einen typischen Politiker-Schnellschuss. Ingo Wortmann, Noch-Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und Präsident des VDV, erklärt, die „Integration eines Fotos“ sei „weder möglich noch nötig, wenn der Barcode kopiergeschützt ist“. Hintergrund: Heute werden gut 60 Prozent der monatlich gut 14 Millionen Deutschlandtickets als digitale Version für das Smartphone verkauft. Knapp 40 Prozent sind Chipkarten. Nun sowohl die Chipkarten als auch die Barcodes auf dem Smartphone zusätzlich mit einem Foto zu versehen, sei „sehr aufwändig“, heißt es beim VDV.
Es gebe praktische Hürden. Viele Fahrgäste hätten vielleicht kein geeignetes Porträtfoto zur Hand, schon gar nicht digital zum Hochladen. Ein Foto sei aber auch gar nicht nötig, um Fälschungssicherheit zu garantieren. Beim VDV verweist man darauf, dass die Barcodes heute in zwei Varianten verkauft werden. Bei der älteren Variante ist der Barcode nicht fälschungssicher, die Weitergabe des Tickets über einen Screenshot zumindest theoretisch möglich.
Der VDV verweist aber auf die zweite Variante, einen sogenannten dynamischen Barcode, der fälschungssicher ist und derzeit peu à peu von immer mehr Verkehrsunternehmen eingeführt werde. Hier sei ein Foto schlicht nicht mehr notwendig. Auch seien alle Prüfgeräte für Ticketkontrollen seit dem 1. Januar dieses Jahres in der Lage, diesen Kopierschutz zu erkennen.DW