Wero soll Bezahlen und Geld schicken per Knopfdruck möglich machen – organisiert von Europas Banken, über bestehende Konten. © smarterpix
Frankfurt – Rund eineinhalb Jahre nach dem Start bieten immer mehr Banken in Deutschland den Zahlungsdienst Wero an. Neben den Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken machen aktuell 151 von 186 marktrelevanten privaten Banken hierzulande mit, wie die Stiftung Warentest am Dienstag mitteilte. Bei weiteren acht Banken ist Wero demnach in Planung. 16 teils große Institute gaben allerdings an, sie wollten den Zahlungsdienst vorerst nicht einführen, darunter die DKB, die Hypovereinsbank und die Targobank. Emil Nefzger, Experte für private Finanzen beim Geldratgeber Finanztip, erklärt: „Banken, die nicht von Anfang an dabei waren, warten ab, ob Wero sich durchsetzt. Einmal bei Händlern, aber auch wie groß die Nachfrage der eigenen Kunden ist. Und auch, in wie vielen Ländern andere Banken dabei sind.“
■ Einfache Zahlung
Mit Wero können Nutzer schnell Geld von einem Bankkonto auf ein anderes schicken. Wie bei Paypal reichen dafür eine Handynummer oder eine Mail-Adresse. Aktuell bieten auch 200 Onlinehändler Zahlungen mit Wero an; bei weiteren 250 stehe die Anbindung unmittelbar bevor, sagte ein Vertreter der European Payments Initiative (EPI) der Stiftung Warentest. Darunter sollen dann auch Händler wie Lidl, Rossmann oder Decathlon sein. Zur EPI haben sich europäische Banken zusammengeschlossen. Ziel ist, eine Alternative zu US-Angeboten wie Paypal, Visa und Mastercard zu schaffen. Emil Nefzger sieht Vorteile: „Zum Beispiel braucht man keinen Drittanbieter mehr, wenn man Freundinnen oder Freunden, die auch bei Wero sind, Geld schicken will. Das geht dann direkt über die eigene Bank.“ Gleichzeitig sei es ein europäischer Anbieter. „Beim Einzelhandel sind die Vorteile noch nicht abzusehen, zum Beispiel ob Wero spürbar günstiger sein wird als die Konkurrenz und dadurch Händler aufspringen.“ Denn sowohl bei Paypal, Wero und dem schwedischen Swish sind Zahlungen zwischen Privatpersonen kostenlos. Die Finanzdienstleister verdienen erst, wenn die Nutzer etwas kaufen. Die Höhe der Gebühren bestimmt die Attraktivität für Händler.
■ Sechs Millionen Nutzer
Über sechs Millionen Kunden „in Deutschland nutzen Wero bereits“, ließ die EPI unsere Zeitung wissen. Weil Wero noch recht jung sei, sei die Verbreitung im Einzelhandel noch gering: „Die Implementierung neuer Bezahlarten im Onlinehandel geschieht nicht über Nacht. Schaut man heute auf die Zahlmethoden im Check-out, so sind alle bereits mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte alt – und Wero gibt es im Onlinehandel erst seit zwei Monaten“, heißt es von der EPI. Der Begriff Check-out beschreibt den Bezahlvorgang.
■ Käuferschutz kommt
Ein Problem: Im Gegensatz zu Paypal hat Wero noch keinen Käuferschutz. Das ist eine Funktion, mit der Geld im Betrugs- und Streitfall zurückgeholt werden kann. „Da Wero bisher noch nicht komplett im Onlineshopping ausgerollt ist, ist unklar, wie Schlichtungen zwischen Käufer und Händler in der Regel zukünftig durchgeführt werden“, so Emil Nefzger von „Finanztip“. Das sei aber gerade in Arbeit, so EPI. Vorreiter scheinen die öffentlichen Banken zu sein: „Die Sparkassen zum Beispiel, die Wero als Bezahlmethode für Händler anbieten, sprechen bereits von einem Regelprozess mit der EPI als schlichtender Partei“, so Nefzger. In diesem Jahr soll es zudem erste Testläufe an der physischen Ladenkasse geben.
MIT MATERIAL DER DPA