Kaum jemand kennt seine E-Akte

von Redaktion

Die elektronische Patientenakte erweist sich für viele als uninteressant oder unzugänglich. Nur vier der 74 Millionen gesetzlich Versicherten haben sie schon genutzt. © dpa

Berlin – Ein Jahr nach Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) können die meisten Versicherten nicht viel damit anfangen. Ein Großteil von ihnen – 71 Prozent – nutzt das digitale Angebot bislang nicht: Dies geht aus einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hervor. Verbraucherschützer und Ärzteverbände kritisierten die ePA als zu kompliziert und forderten nutzerfreundliche Verbesserungen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte zu, das Angebot attraktiver zu machen.

In der Erhebung beklagten viele Befragte fehlende Funktionen, unzureichende Informationen sowie komplizierte Freischaltungsprozesse als Hürden im Umgang mit der ePA. Die Verbraucherzentrale forderte die Politik auf, die Patientenakte zügig weiterzuentwickeln – denn generell sei sie ein vielversprechendes Angebot.

Auch Hausärzte-Vertreter zogen eine kritische Zwischenbilanz. Die allerwenigsten Patienten hätten sich ihre ePA einmal angeschaut, sagte der Chef des Deutschen Hausärtzinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, den Funke-Zeitungen. „Das liegt vor allem an dem absurd komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen irgendwann frustriert aufgeben lässt.“

Die vzbv-Chefin Ramona Pop kritisierte: „Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen.“ Dabei könne die ePA „ein echter Gewinn für die Gesundheitsversorgung sein“, weil sie diese „transparenter und effizienter“ machen könnte. „Aber so, wie sie bislang ausgestaltet ist, bleibt sie deutlich hinter den Erwartungen zurück.“

Die Verbandschefin forderte das Bundesgesundheitsministerium auf, einen „verbindlichen Zeitplan“ darüber vorzulegen, wie die Patientenakte praxistauglicher gestaltet werden kann. Pop schlug vor, etwa das Zahnbonusheft, den Impfpass und den Mutterpass in die ePA aufzunehmen – und zusätzlich eine Funktion mit Erinnerungen an anstehende Vorsorgetermine einzuführen.

Die Akte könne zudem zu einer Plattform für wissenschaftlich gesicherte Gesundheitsinformationen ausgebaut werden – „für Menschen, die Fragen haben und nicht irgendwelchen obskuren Gesundheits-Influencern auf den Leim gehen“ wollten, sagte Pop.

Gesundheitsministerin Warken verteidigte die ePA trotz der bislang geringen Nutzerzahlen. „Wir werden die Nutzbarkeit so weiterentwickeln, dass sie für alle Versicherten einen größeren Mehrwert bringt“, kündigte sie an. Der Zugang zur Akte müsse „einfacher werden, deshalb werden wir unter Einhaltung hoher Schutzstandards das Authentifizierungsverfahren vereinfachen“.

„Neben dem E-Rezept und der Medikationsliste, die bereits fester Bestandteil der Versorgung sind, werden durch die E-Überweisung, die digitale Ersteinschätzung und eine verankerte Terminvermittlung weitere Anwendungen integriert“, sagte Warken. „Dadurch wird die ePA auch für Versicherte attraktiv, die keine lange Krankheitsgeschichte haben.“

Ähnliche Forderungen kamen von Patientenschützern. Der Dauerärger mit der E-Akte muss ein Ende haben“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, AFP. „Die Bundesgesundheitsministerin ist aufgefordert, einen verbindlichen Fahrplan zur Problemlösung vorzulegen.“

In der Umfrage des Instituts Forsa gaben 94 Prozent an, die ePA zu kennen. 71 Prozent gaben an, sie nicht aktiv zu nutzen. Neun Prozent gaben an, Widerspruch gegen die Anlage der Akte eingelegt zu haben oder sie löschen zu lassen.

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