Infineon-Chef Jochen Hanebek (li.) schüttelt die Hand eines Neura-Roboters aus Schwaben. In so einer Maschine könnten Infineon-Chips im Wert von 500 US-Dollar stecken. © Eble/Infineon
München – Erstmals seit Beginn der Pandemie hat der Neubiberger Chip-Riese seine Hauptversammlung wieder in Präsenz in der Messe München abgehalten. Die Konzern-Spitze gibt sich trotz schwacher Nachfrage selbstsicher: „Die derzeitige Schwächephase der Halbleitermärkte hält an – länger als in früheren Halbleiterzyklen“, erklärte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Besonders Zölle und der schwache Dollar belasten das Geschäft. So sank der Umsatz 2025 um zwei Prozent, das Bruttoergebnis um rund 8 Prozent. Aber: „Auf jeden Abschwung folgt ein Aufschwung. Wichtiger als das wechselnde Wetter ist das dauerhafte Klima. Und das ist für Infineon unverändert gut.“
Denn Infineon sieht sich als Vorreiter bei Zukunftstrends. Galten vor wenigen Jahren noch die Leistungswandler für Erneuerbare Energien und Steuerelemente für die E-Mobilität als große Wachstumstreiber, ist dieses Jahr Künstliche Intelligenz der Star: „Ich arbeite nun seit mehr als 30 Jahren für Infineon. Eine solche Wachstumsdynamik, wie sie sich jetzt mit dem KI-Boom abzeichnet, habe ich in unserem Unternehmen noch nie erlebt“, erklärt Hanebeck.
Denn Infineon baut weniger logische Rechen-Chips wie der amerikanische Gigant Nvidia, sondern Leistungsschalter für eine effiziente Stromversorgung: „Bis 2030 wird ein einzelner KI-Chip mehr als vier Kilowatt elektrische Leistung benötigen“, so der Infineon Chef. „Das ist ungefähr doppelt so viel wie ein Bügeleisen.“ Bei Rechenzentren mit hunderttausenden Einheiten sei eine Stromzufuhr im Gigawatt-Bereich nötig – so viel, wie ein ganzes Kernkraftwerk unter Volllast liefert.
„Die vorhandenen Architekturen zur Stromwandlung in Rechenzentren stoßen an physikalische Grenzen“, so Hanebeck. Infineon entwickelt deshalb – unter anderem mit Nvidia – effiziente Stromwandler, mit denen die Rechenzentren ihre enormen Energiekosten einbremsen können. 2027 erwartet Hanebeck einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro in dieser Sparte. „Damit würden wir unseren Umsatz in diesem Bereich in nur drei Jahren verzehnfachen.“
Ein weiteres Wachstumssegment: humanoide Roboter. Ein solcher wackelte auch auf die Bühne, schüttelte Hanebeck die Hand und winkte. Für den Infineon-Chef sind die Maschinen interessant: In jeder stecken Chips im Wert von 500 US-Dollar, die aus dem Infineon-Portfolio stammen könnten. Denn neben Rechenleistung brauchen Roboter auch viele Sensoren: „Sie können einen humanoiden Roboter nicht komplett auf dem Computer trainieren“ erklärte David Reger, Chef des Herstellers Neura-Robotics auf der Bühne. „Wir haben ein eigenes Robo-Gym, wo die Roboter ihre physische Umgebung kennenlernen.“
Einen neuen Wachstumsschub kann Hanebeck brauchen. Denn das wichtige Automobil-Geschäft leidet unter der schwachen Weltwirtschaft. Infineon ist nach eigenen Angaben wichtiger Zulieferer aller großen – auch chinesischen – Hersteller, vor allem in Sachen E-Mobilität. Hier spielen die Neubiberger ihre Kompetenzen bei Leistungshalbleitern und Steuerungselementen aus. Aber auch Logik-Chips spielen eine wachsende Rolle: So liefert Infineon unter anderem den Computer, der in der neuen Klasse von BMW das Fahrverhalten steuert.