Kahlschlag bei DB Cargo: 6200 Jobs weg

von Redaktion

Güter auf der Schiene sind eine umweltfreundliche Alternative zum Transport auf der Straße. Dennoch soll bei DB Cargo in Deutschland jetzt massiv gespart werden. © Karmann, dpa

Berlin – Die Zeit drängt. In diesem Jahr muss die bislang verlustreiche Gütersparte der Bahn, DB Cargo, wieder die Gewinnzone erreichen. Das ist eine Vorgabe der EU-Kommission, die den Verlustausgleich durch den Bahnkonzern nicht mehr erlaubt. Gelingt die Wende nicht, droht DB Cargo mit derzeit noch 27.000 Beschäftigten in Europa, davon 14.000 in Deutschland, das Aus.

Bisherige Sanierungsversuche sind fehlgeschlagen. Nun nimmt der neue Vorstandsvorsitzende der DB Cargo, Bernhard Osburg, einen neuen Anlauf. Ein Kernelement des Konzepts ist ein weiterer starker Abbau von Arbeitsplätzen bei DB Cargo. 6200 Stellen will Osburg streichen. Betroffen sind nahezu alle Bereiche des Unternehmens.

Ziel ist eine deutliche Produktivitätssteigerung auf das branchenübliche Maß. Denn hier hängt die Bahn hinterher. Ein Grund: In den angeschlagenen Industriesparten Stahl, Automobile oder Chemie sind die Transportmengen massiv zurückgegangen. Die Beschäftigung bei der Bahn blieb jedoch auf dem gleichen Niveau.

Osburg setzt im Gegensatz zu seiner erfolglosen Vorgängerin Sigrid Nikutta auf einen mittelfristigen Wachstumskurs. Nikutta hat vor allem durch einmalige Maßnahmen wie den Verkauf von Lokomotiven die Bilanz verbessern wollen. Ihr Sanierungskonzept ist bei externen Gutachtern durchgefallen. Sie musste daraufhin ihren Vorstandsposten räumen. Künftig soll das Geschäft von DB Cargo wieder auf Wachstum getrimmt werden. Das Ziel ist, europaweit im Güterverkehr führend zu sein.

Denn die Musik spielt im Transportgeschäft anderswo, wie Osburg erklärt. Die Automobilindustrie wird in Osteuropa immer stärker. In Deutschland wird weniger Stahl hergestellt und mehr davon über die Häfen in den Niederlanden oder Belgien importiert. Auch chemische Produkte müssen in größerem Umfang als Importe zu den jeweiligen Käufern gebracht werden. Derzeit ist DB Cargo in 17 Ländern vertreten, nach der jeweiligen Landesbahn meist als zweitgrößter Schienentransporteur.

Mit dieser Strategie will Osburg wieder auf einen Wachstumskurs zurückkehren. Noch im ersten Halbjahr 2025 lag das Minus im operativen Geschäft bei fast 100 Millionen Euro. Das zweite Halbjahr lief deutlich besser. Unter dem Strich stand am Jahresende ein kleiner zweistelliger Millionenbetrag.

Der Personalabbau soll nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern sich über die kommenden Jahre erstrecken. Betriebsbedingte Kündigungen will die Bahn vermeiden. Das fast jeder zweite Beschäftigte bei DB Cargo über 50 ist, wird wohl auch die normale Fluktuation für den Abbau von Stellen genutzt.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kündigt schon harte Verhandlungen darüber an. „Niemand bestreitet, dass DB Cargo produktiver werden muss“, sagt EVG-Sprecher Benjamin Köster, „aber 6000 ist zu hoch“. Allerdings ist auch der Gewerkschaft bewusst, dass ein weiterer Personalabbau unvermeidlich ist. Schließlich drängt die Zeit.

Neben der europäischen Ausrichtung ist eine Konzentration des defizitären Einzelwagenverkehrs auf vier große Standort ein Kernelement des Sanierungsplans. Dabei werden einzelne Waggons bei den Kunden abgeholt und auf Rangierbahnhöfen dann zu ganzen Zügen zusammengesetzt. Am Zielort werden die Züge wieder getrennt und die einzelnen Waggons zu den Endabnehmern gebracht. Zurzeit werden die Züge noch auf 31 Rangierbahnhöfen zusammengesetzt. Künftig findet die sogenannte Zugbildung vor allem in Mannheim, Nürnberg, Köln-Gremberg und dem niedersächsischen Seelze statt. Fünf weitere Rangierbahnhöfe bleiben als nachgelagerte Standorte erhalten und werden zusammen mit weiteren Standorten nach Kapazitätsbedarf betrieben. Deutlich gespart wird auch bei den Instandhaltungswerken. Von noch 27 Werken werden zwölf geschlossen oder verkauft. Trotzdem und obwohl allein im Einzelwagenverkehr 2000 von 7000 Stellen fortfallen, bleibt das Geschäft defizitär. Daran ändert auch die Förderung des Bundes nichts. 150 Millionen Euro schießt der Staat zu diesem politisch erwünschten Angebot in diesem Jahr zu.

Artikel 5 von 7