München – 90 neue S-Bahn-Züge sollen ab Ende 2028 in München und seinen umliegenden Landkreisen Fahrgäste befördern. Gebaut werden die S-Bahnen von Siemens Mobility. Die Brems- und Kupplungssysteme erhält Siemens vom ebenfalls in München ansässigen Zulieferer Knorr-Bremse. Magnetschienenbremsen, pneumatische Bremssteuerungen, Drehgestellausrüstung, Scheibenwischsysteme, Kupplungen – Knorr-Bremse bietet ein Komplettpaket. Auftragswert: ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag.
Der Münchner S-Bahn-Auftrag ist einer von vielen Bestellungen, die Knorr-Bremse im Jahr 2025 erhalten hat. Wie der MDax-Konzern gestern in München mitteilte, erreichte der Auftragsbestand im Zuggeschäft zum Jahresende mit 5,6 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau. Der Umsatz kletterte um 6,7 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro – ebenfalls ein historischer Höchststand. „Im Rail-Markt bleibt die Nachfrage weltweit sehr hoch“, sagte gestern Knorr-Bremse-Chef Marc Llistosella.
Ein anderes Bild dagegen im Nutzfahrzeuggeschäft. Hier verkauft Knorr-Bremse seine Systeme etwa an Lkw- oder Bushersteller. 2025 schrumpfte der Auftragsbestand um 2,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, der Umsatz ging um 8,8 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Grund dafür sei „erheblicher marktseitiger Gegenwind“, erläuterte Finanzvorstand Frank Markus Weber. Insbesondere der Nutzfahrzeugmarkt in den USA habe sich sehr schwach entwickelt.
Gute Geschäfte auf der Schiene, wegbrechende Geschäfte auf der Straße: Insgesamt hat das boomende Eisenbahn-Geschäft das schwache Lkw-Geschäft im vergangenen Jahr aber mehr als überkompensiert. Unterm Strich stieg der Gewinn auf Konzernebene um 20 Prozent auf 574 Millionen Euro, obwohl der Umsatz minimal auf 7,8 Milliarden sank. „Knorr-Bremse hat wieder geliefert“, kommentierte Llistosella die Zahlen.
Grund für die Gewinnsteigerung war auch ein Wegfall von Arbeitsplätzen. Nach Firmenangaben wurden seit 2023 insgesamt 1800 Stellen abgebaut. 600 weitere Mitarbeiter hätten das Unternehmen aufgrund von Desinvestitionen verlassen. Im Sommer wurde bekannt, dass in München 200 Jobs wegfallen sollen. „Ob es noch weitere Abbauten am Standort München gibt, kann ich aktuell nicht kommentieren“, erklärte eine Sprecherin.
Fest steht, dass Knorr-Bremse im laufenden Jahr wieder wachsen will. Angepeilt ist ein Umsatz zwischen 8 und 8,3 Milliarden Euro, im Lkw-Geschäft ist ein Ende der Krise in Sicht. „Wir sehen, dass sich die Truckmärkte schrittweise wieder leicht erholen“, sagte Konzernchef Llistosella.SEBASTIAN HÖLZLE