Grünes Licht für Kamikaze-Drohnen

von Redaktion

Die Drohnenwaffe der Firma Stark Defence wird auf dem Sprengplatz des Rüstungskonzerns MBDA nahe Schrobenhausen getestet. © Kay Nietfeld, dpa

Berlin – Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass das Kampfgeschehen in Kriegsgebieten immer mehr von unbemannten Flugkörpern bestimmt wird. Drohnen können in Schwärmen feindliche Ziele bekämpfen, ohne dabei die Soldaten der angreifenden Streitkräfte einer direkten Gefahr auszusetzen.

Wie funktionieren diese Drohnen?

Für diese moderne Art der Kriegsführung will die Bundeswehr massenhaft sogenannte Loitering Munition bestellen. Dabei handelt es sich um unbemannte Flugkörper, die über ihrem Ziel „lauern“, bis sie von einem Operateur den Befehl zum Angriff bekommen. Dann werfen sie entweder eine Sprengladung ab oder stürzen sich selbst auf ihr Zielobjekt. Im Militärjargon werden sie daher auch als „Kamikaze-Drohnen“ bezeichnet.

Welche Hersteller sollen liefern?

Die beiden deutschen Rüstungs-Start-ups Stark Defence aus Berlin und Helsing aus München sollen die Kampfdrohnen liefern. Zunächst geht es um einen ersten Auftrag für insgesamt rund 536 Millionen Euro mit der Option einer Erweiterung. Allerdings deckelte der Haushaltsausschuss die Käufe auf je eine Milliarde Euro pro Unternehmen. Ursprünglich hätte das Volumen 2,86 Milliarden für Stark Defence und 1,46 Milliarden für Helsing betragen sollen. Nach einer Vorgabe von Generalinspekteur Carsten Breuer sollen die Waffensysteme 2027 in Litauen einsatzbereit sein.

Um welche Drohnen geht es?

Helsing soll die zwölf Kilogramm schwere propellerbetriebene Kampfdrohne „HX-2“ liefern. Sie startet von einem Katapult und soll in der Lage sein, „Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und andere militärische Ziele auf bis zu 100 km Reichweite zu bekämpfen“. Integrierte Künstliche Intelligenz soll sicherstellen, dass der Flugkörper „gegen feindliche Maßnahmen der elektronischen Kriegsführung immun ist“. Ein menschlicher Operator bleibt bei allen kritischen Entscheidungen eingebunden. Die „Virtus“-Drohne von Stark Defence ist etwas größer, wird ebenfalls mit Propellern angetrieben und soll selbstständig ohne Startrampe abheben können. Dadurch kann sie nach Firmenangaben „in unter zehn Minuten von nahezu jedem Gelände aus einsetzbar“ sein.

Worum dreht sich die Kritik?

Nach Medienberichten über eine geringe Treffsicherheit bei Tests mit früheren Varianten sollen die Drohnen inzwischen bei der Zielgenauigkeit überzeugend sein. Innovationsklauseln bei den Beschaffungsvorgängen sollen laut Verteidigungsministerium „sicherstellen, dass die Bundeswehr stets über moderne und einsatzfähige Systeme verfügt“. Die Hersteller hätten „die erforderliche Reife bzw. Qualität nachweisen können“, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Die beiden beteiligten Unternehmen verweisen darauf, dass die Systeme fortlaufend unter Kampfbedingungen unter anderem in der Ukraine getestet und weiter entwickelt werden. Stark Defence erklärte auf Anfrage: „Nach den jüngsten Erprobungen sind wir mehr denn je von der hohen Zielgenauigkeit und der Leistungsfähigkeit unseres Systems überzeugt.“

Und was ist mit Peter Thiel?

An Stark Defence ist der US-Investor Peter Thiel beteiligt, der als ultrarechter Demokratieskeptiker und einflussreicher Unterstützer von US-Präsident Donald Trump bekannt ist. Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Sara Nanni warnte vor einem versteckten Einfluss des umstrittenen US-Tech-Milliardärs. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und die SPD hatten ebenfalls Vorbehalte gegen die Rolle des Trump-Intimus geäußert, die aber ausgeräumt wurden. Stark Defence erklärte dazu, bei ausländischen Beteiligungen an deutschen Rüstungsunternehmen finde bei Überschreiten von zehn Prozent eine verpflichtende Vorab-Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium statt. Dann könne die Beteiligung untersagt werden.

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