Bahn und GDL finden ohne Streiks zu Tarifeinigung © Julian Stratenschulte/dpa
Tarifeinigung geschafft: Bahn-Personalchef Martin Seiler (li.) und GDL-Chef Mario Reiß verhandelten erfolgreich – und offenbar mit gegenseitigem Respekt. © Bernd von Jutrczenka, dpa
Berlin – Tarifrunden bei der Deutschen Bahn bedeuteten in den vergangenen Jahren für Fahrgäste meistens auch: Reisechaos. Häufige Streiks legten oft über mehrere Tage den kompletten Zugverkehr lahm. Die Unsicherheit hielt Monate an. Vor allem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit ihrem streitbaren Ex-Vorsitzenden Claus Weselsky galt als Garant für komplizierte Verhandlungen und kurzfristige Arbeitskämpfe.
Doch dieses Mal lief alles anders: Nach fünf Verhandlungsrunden ohne lautere Zwischentöne einigten sich die Bahn und die GDL in der Nacht auf Freitag auf einen Abschluss – ohne einen einzigen Streiktag. Wie war das möglich?
Unter anderem durch einen Führungswechsel bei der GDL. Seit September 2024 führt Mario Reiß die Gewerkschaft an, davor bestimmte sein Vorgänger Weselsky für 16 Jahre die Ausrichtung der Lokführergewerkschaft. Weselsky setzte dabei in der Öffentlichkeit vor allem auf Offensive, auf derbe Sprüche. Vorstände und Manager wurden dann wahlweise zu „Nieten in Nadelstreifen“ oder „Vollpfosten“.
Reiß setzte einen auffällig neuen, anderen Ton. Er äußerte zwar deutliche Kritik am ersten Angebot der Bahn. Persönliche Angriffe oder gar Beleidigungen in Richtung der DB-Chefetage gab es von ihm aber nicht. Beide Seiten hatten sich zudem bereits bei der vorigen Tarifrunde auf eine zweimonatige Friedenspflicht für die nächsten Verhandlungen geeinigt.
Spannend wird sein, ob sich die arbeitskampferprobten GDL-Mitglieder mit einer so ruhigen Tarifrunde zufriedengeben – und nicht das Gefühl haben, dass mit mehr Radau ein größeres Plus auf dem Gehaltszettel drin gewesen wäre.
Bahn und GDL verständigten sich unter anderem auf ein Gehaltsplus von fünf Prozent in zwei Stufen, auf eine zusätzliche Entgeltstufe für langjährig Beschäftigte sowie eine Einmalzahlung von 700 Euro. Der Tarifvertrag läuft bis Ende 2027. Mit Blick auf das Tarifeinheitsgesetz wurde vereinbart, dass ab 2027 die von der GDL ausgehandelten Entgelttabellen auch für GDL-Mitglieder in Minderheitsbetrieben angewendet werden können. Ab Januar 2028 gilt das auch für Zulagen und Regelungen zum Arbeitszeitvolumen. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit bis Ende 2030.