Bahn-Sanierung dauert zehn Jahre

von Redaktion

Muss seit ihrem Amtsantritt im Oktober letzten Jahres immer wieder schlechte Nachrichten verkünden: Bahn-Chefin Evelyn Palla. © Christoph Soeder / Pool/EPA

Berlin – Bahnchefin Evelyn Palla wirbt bei den Fahrgästen um Geduld für die begonnene Sanierung des maroden Gleisnetzes für weniger Störungen und Verspätungen. „Die Schiene in Deutschland in Ordnung zu bringen, dafür werden wir zehn Jahre brauchen“, sagte sie. „Auch wenn wir jetzt so viel Geld vom Bund bekommen wie nie zuvor, wird die Sanierung der Schiene lange dauern.“ Palla verteidigte das Konzept mit längeren Vollsperrungen für gebündelte Arbeiten. Am Pünktlichkeitsziel der Fernzüge für 2026 hält die Bahn trotz Winterproblemen zum Start ins Jahr fest.

Dass Zugausfälle, geplatzte Umsteige-Anschlüsse oder defekte ICE-Toiletten aufs Image drücken, kommt im Konzern an. „Eisenbahn ist Mobilität, Freiheit, auch ein Lebensgefühl“, sagte Palla. Im Zug aus dem Fenster zu gucken oder zu lesen, sei schön und entspannend. „Genau deswegen müssen wir etwas verändern, weil die Menschen den Reiz der Eisenbahn oft vergessen haben.“

„Das ist meine Mission: Eine Eisenbahn zu schaffen, auf die wir alle wieder stolz sind. Und zwar nicht nur die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, sondern das ganze Land“, sagte Palla, die den Bundeskonzern seit Oktober führt. „Aber der Weg dorthin wird für alle steinig und schwer. So ehrlich müssen wir sein.“

Reisende sollen aber nicht nur jahrelange Geduld haben. Es müsse „jetzt sofort auch ganz konkret bei den Kundinnen und Kunden ankommen, dass sich bei der Bahn etwas zum Positiven ändert“, betonte die Bahnchefin. Deswegen setze die Bahn Sofortprogramme für mehr Sauberkeit und Sicherheit am Bahnhof, für Komfort im Fernverkehr und eine bessere Reisendeninformation um.

Die Bahn kämpft seit Jahren mit einer störanfälligen Infrastruktur. Bund und Bahn wollen daher bis 2036 mehr als 40 vielbefahrene Strecken grundlegend sanieren, um das Netz nach und nach zu ertüchtigen. Die Abschnitte werden in der Regel über Monate voll gesperrt. Zur Finanzierung sollen Mittel aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen. In diesem Jahr will die Bahn mehr als 23 Milliarden Euro verbauen. Nach rund 26.000 Baustellen 2025 werden es in diesem Jahr voraussichtlich 28.000 sein.

Palla hält die „Generalsanierungen“ weiterhin für richtig – trotz Kritik wegen aktueller Verzögerungen zwischen Hamburg und Berlin. „Viele Jahre lang wurde zu wenig in das Schienennetz investiert“, argumentierte sie. „Deswegen können wir jetzt gar nicht anders, als ganze Korridore am Stück zu sanieren, wenn wir in großen Schritten vorankommen wollen.“ Man baue nicht so, weil man jemanden ärgern wolle, „sondern weil das mittlerweile einfach alternativlos ist“.

Derzeit läuft die Sanierung Hamburg–Berlin, die bis Ende April abgeschlossen sein sollte. Aufgrund wochenlanger Kälte mit tiefgefrorenem Boden kamen die Arbeiten zuletzt aber nicht voran. Die Probleme hatten Kritik am Sanierungskonzept wieder aufflammen lassen. Wettbewerber der Deutschen Bahn im Güterverkehr monieren etwa, dass Umleitungen zu lang, nicht gut vorbereitet, überlastet und marode seien. Die Bundesregierung hatte bei Amtsantritt vor allem die zeitliche Planung als zu straff kritisiert und eine Verlängerung um sechs Jahre veranlasst.

Verspätungen liegen aber nicht nur daran, dass das Netz zu alt ist – es ist auch zu voll. Politik und Branche diskutieren deswegen in einer Arbeitsgruppe über mögliche Entlastungen. Dies betreffe insbesondere große Knoten wie Hamburg, Berlin, Köln, München und Frankfurt und den Regionalverkehr, der dort überproportional gewachsen sei, erläuterte Palla. Man könne dies nur gemeinsam mit den Ländern angehen. Die Bahnchefin betonte: „Ich bin sicher, dass die Menschen verstehen, wenn wir sagen: Es fahren etwas weniger Züge – aber dafür sind die Züge, die fahren, deutlich pünktlicher und verlässlicher.“

Artikel 3 von 7