Sprit-Preis-Schock in München

von Redaktion

München – Nach einer Raffinerie in Saudi-Arabien wurde gestern auch ein Tanklager im Oman beschossen: Der Iran-Krieg lässt die Preise für Sprit und Heizöl weiter steigen. Bei Diesel zogen die Preise besonders schnell an. Am Nachmittag um 14.30 Uhr kostete der Kraftstoff im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,921 Euro pro Liter, wie der Verkehrsclub ADAC mitteilt. Das waren 9,7 Cent mehr als zur selben Tageszeit am Montag und 17,8 Cent mehr als am Freitag, vor der Eskalation im Nahen Osten.

Superbenzin der Sorte E10 kostete am Dienstag um 14.30 Uhr 1,895 Euro pro Liter. Das waren 4,6 Cent mehr als am Montag und 11,9 Cent mehr als am Freitag zu dieser Zeit.

Schon am Montag war der Spritpreis kräftig angestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt war Super E10 so teuer wie seit Mai 2024 nicht mehr, Diesel so teuer wie seit Oktober 2023 nicht mehr. Für die aktuellen Werte vom Dienstag ist ein historischer Vergleich wegen der starken Schwankungen der Spritpreise im Tagesverlauf nicht sinnvoll.

Mit dem aktuellen Preisanstieg hat Diesel E10 überholt, obwohl Diesel eigentlich einen deutlichen Steuervorteil hat. „Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege. Die Preisausschläge – sei es nach oben oder unten – sind daher meist stärker“, erklärte der Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC, Christian Laberer.

Ursache sind hier die Preise für das Mitteldestillat Gasöl. Diese sind seit Freitag um 37 Prozent gestiegen. Beim Rohöl waren es nur 15 Prozent. „Gasöl kann relativ direkt als Diesel oder Heizöl verwendet werden“, erklärt Oliver Klapschus vom Vergleichsportal Heizoel24. „Beim Rohöl geht es um die Versorgung von morgen und übermorgen.“

Der aktuelle Anstieg der Spritpreise ist zwar deutlich, in der Vergangenheit aber nicht ohne Vergleich. Zu Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren hatte sich Diesel binnen gut zwei Wochen um mehr als 60 Cent pro Liter verteuert. E10 stieg damals um rund 50 Cent. Auch bei den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im Juni vergangenen Jahres hatte sich Sprit deutlich verteuert, Diesel stieg damals um rund 10 Cent – diese Marke hat der Kraftstoff nun überschritten.

Auch wer zum Ende der Heizsaison seinen Öltank füllen muss, hat aktuell ein Problem. Die Seite Heizoel24 gab den Preis für 100 Liter mit zwischenzeitlich 128 Euro an. Das waren noch einmal rund 10 Euro mehr als am Montag. Noch am Freitag hatte der Preis unter 100 Euro gelegen. „Die Verbraucher kaufen immer noch etwa doppelt so viel wie an normalen Tagen“, erklärt Oliver Klapschus. „Die Lage ist noch gefährlicher als der Beginn des Ukraine-Kriegs. Einfach weil die Lage noch unübersichtlicher ist.“ Das treibt die Preise: „Wenn der Krieg weitergeht, werden die Ölpreise weiter nach oben marschieren“, so Klapschus. „Wer bald Öl braucht, sollte besser jetzt als später kaufen. Wer es bis zum Winter schafft, sollte jetzt abwarten.“

Experten vermuten, dass die Preise an den Energiemärkten gerade eine Mittelwert darstellen: Sollte sich die Lage in Nahost in den kommenden Wochen wieder beruhigen, dürften die Preise stark sinken. Sollten die Lieferungen weiter ausbleiben, werden sie noch einmal drastisch steigen.DPA/MAS

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