München – Am Montag waren die Börsen trotz des Iran-Krieges mit moderaten Verlusten in die Handelswoche gestartet, am Dienstag gab es dafür die Quittung: Unter dem Eindruck massiv steigender Energiepreise kam es gestern an den Börsen rund um den Globus zu massiven Kursverlusten. Als in Europa noch Nacht war, ging es bereits mit den Börsen in Asien abwärts. Am Morgen ging das Beben in Europa weiter. Der Dax stürzte zeitweise über vier Prozent ins Minus. Als am späten Nachmittag deutscher Zeit die Wall Street in New York öffnete, rauschten die Kurse zum Handelsstart um mehr als zwei Prozent in die Tiefe.
Schlusslichter im Dax waren gestern Siemens Energy mit minus 7,1 Prozent und Beiersdorf mit minus 18,4 Prozent – verhaltene Geschäftszahlen ließen die Aktie massiv einbrechen. Zu den weiteren Verlierern zählten insbesondere Industrieunternehmen. „Der Dax bleibt wegen der Eskalation in Nahost unter erheblichem Abgabedruck“, schrieb Analyst Sören Hettler von der DZ Bank. „Wie es mit dem Dax kurzfristig weitergeht, hängt von der Dauer des Krieges und der Beeinträchtigung der Energielieferungen ab.“ Höhere Energiekosten belasteten nicht nur die Konjunktur, sie würden auch für einen Inflationsschub sorgen.
Marktanalyst Andreas Lipkow von CMC Markets kritisierte: „Insbesondere Europa hat sich durch die Energiepolitik der vergangenen Jahre ins Aus manövriert.“ Die hohe Abhängigkeit von Öl und Gas aus den USA und Ländern aus dem Nahen Osten werde zu einem großen Problem.
Den größten Sprung legten gestern die Kosten für Erdgas hin: Seit Freitag haben sich die Preise von 32 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 65 Euro mehr als verdoppelt. Weil der deutsche Strommarkt wesentlich von Gaskraftwerken abhängig ist, zogen die Preise für kurzfristige Lieferungen seit Freitag um 44 Prozent auf 105 Euro die MWh an. Dieses Tageshoch wurde zuletzt im November 2023 erreicht. Bei den langfristigen Strompreisen für das kommende Jahr blieben die Werte aber vergleichsweise ruhig.SH/MAS