Panik in Asien, Ruhe in den USA

von Redaktion

Je abhängiger von Energieimporten, desto größer die Kursstürze

Hier landet Energie an: Flüssiggasterminal in Brunsbüttel © Marcus Brandt, dpa

Alles wurde an der Börse in Seoul auf den Markt geworfen: Samsung, Hyundai, Kia. Zwischendurch musste der Handel ausgesetzt werden. © Ahn Young-joon, dpa, ap

München – An den Börsen in Asien herrscht angesichts des Nahost-Krieges zeitweise nackte Panik. Während die Kursverluste in Deutschland und Europa schmerzhaft, aber noch überschaubar blieben, und in den USA kaum Börsenreaktionen erkennbar wurden, musste die Börse in Seoul sogar kurzzeitig den Handel stoppen. Der Leitindex Kospi stürzte um 12,6 Prozent ab, das war laut lokalen Medien der stärkste Kursverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Ein wichtiger Grund für die massiven Einbrüche ist nach Ansicht von Experten die hohe Abhängigkeit von Südkorea, Taiwan und Japan von Importen fossiler Energieträger. Diese beträgt bei Öl und vor allem bei Gas in diesen Ländern bis zu 100 Prozent. Und der Großteil der Rohstoffe kommt über die Straße von Hormus – die Meerenge vor der iranischen Küste –, die im Zuge der Bombardements in der Region faktisch gesperrt ist. Hunderte Containerschiffe hängen dort fest.

■ Die Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr, durch das 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls und des Flüssiggases transportiert werden. Katar, einer der weltweit wichtigsten Lieferanten von Flüssiggas (LNG) verschifft praktisch seine kompletten Exporte auf diesem Weg. Fallen die weg, wird es für die Länder, die in hohem Maß von diesen Rohstoffen abhängen, kritisch. Entsprechend reagieren die Aktienmärkte. Südkorea zum Beispiel erhält 70 Prozent seiner Energielieferungen durch die Straße von Hormus.

Marktbeobachter stellen eine klare Korrelation fest: In den USA als von Energieexporten relativ unabhängigem Land, bleibt es an den Börsen ruhig. In Europa mit seiner hohen Abhängigkeit – Importanteil rund 80 Prozent – lässt sich große Nervosität an den Kursen ablesen. Und an vielen asiatischen Märkten mit völliger Abhängigkeit von Importen kommt es zu Panikverkäufen. Auf den Markt geworfen wird alles: Samsung (minus sieben Prozent), Hyundai (minus 11 Prozent), Kia (minus 10) und sogar Chiphersteller wie SK Hynix und Rüstungskonzerne wie Hanwha Aerospace. Möglicherweise geht der Ausverkauf noch weiter – allerdings sehen die ersten Anleger im nun erreichten Niveau auch schon wieder Einstiegskurse.

■ Preise steigen weiter

Am Dienstag war der Preis für eine Megawattstunde Erdgas, das im April geliefert werden soll, dann zeitweise auf fast 66 Euro geklettert, den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Am Freitag – vor Ausbruch des Krieges – war er noch mit knapp 32 Euro ins Wochenende gegangen. Noch stärker war der Gaspreis zuletzt zum Beginn des Ukrainekrieges vor vier Jahren gestiegen. Damals waren die Notierungen an der Börse in Amsterdam zeitweise über 300 Euro je Megawattstunde gestiegen. Hinzu kam, dass das katarische Öl- und Gasunternehmen Qatar Energy nach Angriffen auf Betriebsanlagen in zwei Städten die Produktion von LNG eingestellt hat. Kunden aus Asien suchen jetzt nach Alternativen für ausfallende Gaslieferungen, was auch die Preise auf dem europäischen Markt nach oben treibt.

■ Wird das Gas knapp?

Der Preis ist das eine, die Versorgung mit Gas das andere. Drohen Engpässe? Nein, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae. „Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten.“ Neben Gasspeichern und der heimischen Förderung werde die deutsche Versorgung durch Importe via Pipeline vor allem aus Norwegen sowie LNG-Importe aus einer Reihe von Ländern gesichert.CORINNA MAIER (MIT DPA)

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