Wie teuer kann Energie noch werden?

von Redaktion

Über diese Flüssiggasterminals bekommt Deutschland Erdgas. Die Versorgung ist sicher, aber die Preise hoch. Die Speicher sind aktuell zu 21 Prozent gefüllt. © Marcus Brandt/dpa

München – Die erste Heizperiode ist noch nicht vorbei, da gibt es schon Sorge um die nächste: Diese Woche wollten die Unternehmen Sefe, Uniper und HanseWerk Speicherkapazität für das laufende Speicherjahr anbieten, berichtet das Fachmagazin Energate. Uniper und Hansewerk hätten die Vermarktungen aber kurzfristig abgesagt. Sefe hatte es versucht, aber keine Zuschläge vergeben. Der Grund: Die hohen Gasspreise machen das Speichern unattraktiv. Unterdessen drohen Teheran und Moskau mit Angriffen auf die Energieversorgung.

■ Verwaiste Gasspeicher

„Vor allem Asien bekommt Lieferungen aus Nahost“, erklärt Tobias Federico, Chef-Analyst bei Montel Analytics. „Die Speicher dort sind zwar noch gefüllt, aber weil die Lage so unsicher ist, steigt die Zahlungsbereitschaft.“ In der Folge stiegen die Preise für April-Lieferungen in Europa von 32 Euro pro Megawattstunde (MWh) am Freitag (27. Februar) auf 54 Euro am Dienstag. Das scheint gerade die Händler abzuschrecken: „Schon im Sommer 2025 war die Preisspanne zwischen Sommer und Winter so gering, dass Gas speichern kaum rentabel war“, erklärt Federico. „Jetzt könnte sich die Situation sogar umdrehen: Wir könnten 50 Euro im Sommer sehen, und 30 im Winter.“ Das Bundeswirtschaftsministerium sah gestern auf Nachfrage keinen Grund zum Eingreifen: „Für den nächsten Winter wurden bereits 60 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten vermarktet. Deutlich mehr als letztes Jahr“, sagte eine Sprecherin. Die Versorgung sei sichergestellt. Würde der Staat jetzt Käufe anordnen, könne das zu hohen Kosten führen.

■ Entspannung erwartet

Eine Prognose der Hypovereinsbank (HVB) stützt Federicos These: Der Konflikt in Nahost dürfte nur wenige Wochen dauern: „Erstens steigen die Überlebenschancen der iranischen Führung, wenn Teheran eine größere Eskalation vermeidet, die die eigenen Ölexporte beeinträchtigen, andere Golfstaaten gegen Iran aufbringen und noch heftigere Militärschläge der USA und Israels auslösen würde“, so Tobias Keller. „Zweitens zeigt die US-Regierung derzeit wenig Interesse daran, ,Demokratie zu exportieren´.“ Kurz vor den Zwischenwahlen könnten sich die USA mit einem Wechsel des Führungspersonals im Iran zufrieden geben. In diesem Fall rechnet die HVB Richtung Jahresende mit einem Gaspreis von 35 Euro – kaum zehn Prozent über dem Niveau vor dem Krieg.

■ Putins Drohung

Es gibt aber Eskalationspotenzial: Russlands Präsident Wladimir Putin nutzte am Mittwoch die Gelegenheit, den Stopp der verbleibenden Gas-Lieferungen nach Europa anzudrohen. Die Commerzbank relativierte das gestern in einem Bericht: Putin werde kaum die Pipeline-Lieferungen nach Serbien und Ungarn einstellen. Dem Kreml fehlten Transportkapazitäten zu anderen Kunden. Sollte Putin weiter (Flüssig-)Gas liefern, der Persische Golf aber geschlossen bleiben, erwarten die Analysten bis Juni einen Gaspreis knapp unter 60 Euro. Sollte Russland die Flüssiggas-Lieferungen einstellen und (durch US-Sanktionen) keine anderen Abnehmer finden, könnten die Kosten im Sommer über 70 Euro steigen. Falls aber der Konflikt in Nahost deutlich länger dauert, wären die Folgen dramatisch, warnt Tobias Keller: Dann „dürften die Preise auf rund 100 Euro pro MWh steigen“. Der Elefant im Raum: „Wir sind jetzt sehr abhängig von Lieferungen aus den USA“, so Montel-Analyst Federico, „wer weiß, wofür Donald Trump das verwenden wird.“

■ Kraftstoff unter Druck

Die Rohölpreise sind binnen einer Woche um 22 Prozent auf 89 Dollar pro Barrel gestiegen. Erst gestern meldete der Iran, einen Tanker beschossen zu haben. Noch schlechter ist die Lage beim Raffinerieprodukt Gasöl, verwandt mit Heizöl und Diesel: Hier ging es 56 Prozent hinauf. Sollte sich die Lage in Nahost schnell entspannen, rechnet die HVB zum Jahresende mit einem Ölpreis von 70 Dollar. Auch Gasöl dürfte dann nachgeben, aber teurer bleiben. Sollte der Konflikt länger dauern, erwartet Tobias Keller Ölkosten von 100 Dollar und noch stärkere Aufschläge beim Gasöl. Der Energieminister von Katar malte in der „Financial Times“ ein besonders düsteres Bild: Alle Staaten in Nahost könnten die Förderung einstellen. Dann steige der Rohölpreis auf bis zu 150 Dollar.

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