Wie teuer können Öl und Gas werden?

von Redaktion

Die Schockwellen an den Börsen gehen diesmal von Asien aus (im Bild Handelssaal in Seoul). © JEON HEON-KYUN, afp

München – Schwarze Wolken über Teheran: Nach einem Angriff der israelischen Luftwaffe brannten am Sonntag Öllager im Iran. Israel spricht von Tanklagern für das Militär, der Iran vom Beschuss einer Raffinerie. Als Gegenschlag feuerte der Iran nach eigenen Angaben auf Raffinerien in Israel und Bahrain. An den Märkten begann die Woche mit Angst, die im Laufe des Tages etwas abflaute.

■ Rohöl

Bereits in der Nacht auf Montag schossen die Rohölpreise von 93 auf in der Spitze 119 Dollar in die Höhe. Zum Vergleich: Vor dem Krieg waren es 73 Dollar. Etwas Ruhe brachte möglicherweise die Nachricht, die Industrieländer könnten ihre strategischen Ölreserven freigeben. Dennoch kostete Rohöl gestern Nachmittag immer noch 104 Dollar. Und das könnte nicht das Ende sein: „Die aktuellen Marktbewegungen beim Ölpreis sind gerechtfertigt“, sagte Sonja Marten, Chef-Volkswirtin der DZ Bank. „Solange die Sperrung der Straße von Hormus anhält, dürfte sich die Lage am Ölmarkt kaum entspannen. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass der Preis zunächst weiter steigt.“ Sollten weiter keine Tanker den Persischen Golf verlassen können, drohten Kosten wie zum Beginn des Ukraine-Kriegs: „Anfang 2022 kletterte der Ölpreis zwischenzeitlich auf bis zu 140 Dollar. Dieses Niveau könnten wir kurzfristig wieder erreichen oder sogar überschreiten“, erklärt die Ökonomin.

Gestern Abend wurde dann bekannt, dass die G7 eine Freigabe ihrer Öl-Reserven zwar erwägen, diese Karte aber noch nicht ziehen wollen. Die Ölhändler reagierten sehr gefasst und das Barrel fiel auf 100 Dollar.

■ Heizöl

Raffinerieprodukte sind dem Rohöl voraus: Während der Rohstoff sich nur um 42 Prozent verteuerte, zog der Preis für das Mitteldestillat Gasöl um 61 Prozent an. Deshalb stiegen die Heizölkosten seit Ende Februar von 95 Cent pro Liter (bei 3000 Litern Lieferung) um mehr als 50 Prozent: „Wir hatten heute schon Preise von 1,50 Euro pro Liter“, so Oliver Klapschus vom Vergleichsportal Heizoel24. „Das ist ein Zeichen dafür, dass wir gerade in eine Übertreibung reinlaufen.“ Er glaubt nicht, dass der Liter teurer wird als 1,80 Euro. Aktuell kauften die Leute nur 500 bis 1000 Liter. „Volltanken tut keiner.“ Klapschus rät jedem, der keinen dringenden Bedarf hat, zum Abwarten: Der nächste Winter ist noch fern. Es komme jetzt darauf an, was die Amerikaner tun: „Hohe Ölpreise sind auch in den USA unpopulär“, so Klapschus. Tatsächlich steht Donald Trump unter Druck: Auch in den Staaten sind die Diesel-Preise über 20 Prozent gestiegen.

■ Sprit

Benzin und Diesel verteuerten sich über das Wochenende weiter, die Preiszuwächse waren zuletzt aber nicht mehr so stark, wie Zahlen des ADAC zeigen. So war ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags nur 0,7 Cent teurer als am Samstag. E10 verteuerte sich um 0,4 Cent. Mit 2,117 Euro pro Liter war Diesel allerdings am Sonntag 37,1 Cent teurer als am Tag vor Kriegsbeginn. Bei E10 waren es 20,6 Cent Unterschied.

■ Strom und Gas

Erdgas startete gestern mit einem satten Aufschlag von 30 Prozent in den Großhandel und kostete am Nachmittag noch 59 Euro pro Megawattstunde. Seit Kriegsbeginn haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Sollte der Persische Golf geschlossen bleiben, rechnet die Commerzbank bis Juni etwa mit dem Preisniveau von gestern Nachmittag. Sollte die Straße von Hormus aber länger blockiert bleiben, halten mehrere Experten übereinstimmend auch 100 Euro für möglich. Durch die höheren Gaskosten stiegen auch die Strompreise bisher um 44 Prozent.

■ Verbraucherpreise

Verbraucher stehen hier vergleichsweise gut da: Sie können jetzt noch günstig Verträge mit langer Laufzeit abschließen. Das Vergleichsportal Verivox ließ unsere Zeitung wissen, dass die günstigsten Gastarife in München gerade für 7,9 Cent pro Kilowattstunde (inklusive Wechselprämie und Grundgebühr) auf dem Markt sind, und Stromverträge für 25,7 Cent. Schnell sein dürfte sich jetzt lohnen.

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