Biogas zwischen Systemrelevanz und Förderstopp

von Redaktion

Freising – 2770 von 9315 deutschen Biogasanlagen stehen in Bayern. Das gab der Fachverband Biogas gestern bei seiner Jahrespressekonferenz bekannt. Der Brennstoff hat in den vergangenen Wochen große Begehrlichkeiten geweckt: Mit der sogenannten „Biotreppe“ möchte die Regierungskoalition zunehmend grüne Brennstoffe ins Erdgasnetz bringen.

Doch bisher ist Biomethan – gereinigtes Biogas, das Erdgas entspricht – nur ein kleiner Teil des Geschäfts. Über 90 Prozent der Anlagen erzeugen Strom, rechnerisch genug für 8,8 Millionen Haushalte. Einige Anlagen speisen die Abwärme der Kraftwerke in lokale Wärmenetze ein – genug für rund 1,8 Millionen Haushalte. Das ist teuer: Laut Fachverband wird der Strom aus neuen Biogasanlagen mit bis zu 19 Cent pro Kilowattstunde gefördert. Zum Vergleich: Neue Windräder bekommen gerade 6 Cent.

Deshalb sollen Biogasanlagen nur noch liefern, wenn die Marktpreise hoch sind: „Wer mit seiner Bestandsanlage eine Anschluss-EEG-Förderung möchte, muss die Leistung seines Kraftwerks mindestens verdreifachen“ erklärt Manuel Maciejczykvo, Geschäftsführer des Fachverbands Biogas. Der Plan: Biogas speichern und nur dann verstromen, wenn Wind und Sonne nicht liefern. Die Branche will ihren Beitrag leisten: „Heute sind knapp 7 Gigawatt (GW) elektrischer Leistung an Biogasanlagen installiert“, so Maciejczyk. „Kurzfristig könnten wir unsere Leistung auf 18 Gigawatt erhöhen, ohne dafür mehr Biomasse zu nutzen.“ Das ist relevant: Deutschland braucht bis 2035 mindestens 22 GW neue steuerbare Kraftwerksleistung.

Doch die Branche hat ein Problem: Für die größeren Leistung braucht sie stärkere Netzanschlüsse: „Sofern das Netz noch über freie Kapazitäten verfügt, kann der Anschluss innerhalb von 5 bis 12 Monaten erfolgen“, so Maciejczykvo. Falls aber Netzausbau nötig ist, könne das bis zu 10 Jahre dauern. Dazu kommt: 2026 werden nur 1,8 Gigawatt ausgeschrieben. Um den aktuellen Bestand der Anlagen mit der gewünschten Erzeugungsleistung aufzurüsten, müssten laut Fachverband bis 2030 rund 11 Gigawatt ausgeschrieben werden. Ansonsten drohe einigen Anlagen der Förderstopp.MAS

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