Baywa ringt um Rettungsplan

von Redaktion

Der Verkauf der Baywa r.e. ist für 2028 geplant, er sollte 1,7 Milliarden Euro einbringen. Insgesamt will die Baywa vier Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. © M. Schlaf

München – Probleme mit ihrer Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa r.e. haben den Sanierungsplan der Baywa durchkreuzt. Die Baywa muss laut Plan in den kommenden Jahren vier Milliarden Euro Schulden zurückzahlen und dafür Unternehmensteile verkaufen. Dickster Brocken ist der für 2028 geplante Verkauf der Baywa r.e., der 1,7 Milliarden Euro einbringen sollte – fast die Hälfte der Summe. Weil die Geschäfte mit Wind- und Solarparks schlechter laufen als erhofft, sei die ursprünglich geplante Kaufsumme „nicht mehr realisierbar“, teilte die Baywa mit.

Schlechteres Umfeld für Erneuerbare

Hintergrund der Probleme ist unter anderem der Schwenk weg von Erneuerbaren Energien unter US-Präsident Donald Trump. Wegen einer Gesetzesänderung bekommen Wind- und Solarparks in Amerika von der Biden-Administration eingeführte Steuergutschriften und Vergütungen nun doch nicht. Diese waren aber bei der Baywa r.e. eingeplant. Auch in Europa trübt sich der Markt für Erneuerbaren Energien ein, gleichzeitig ist die Konkurrenz aus Asien groß. Das belastet die Geschäfte der Baywa r.e. Bisher kalkulierte man dort für 2030 mit einem Gewinn von 230 Millionen Euro, nun geht man eher von 150 Millionen Euro aus. Das schmälert auch den Wert der Baywa r.e. Potenzielle Käufer dürften der Baywa wohl einen niedrigeren Preis als erwartet für ihre Tochter bieten – weshalb die Baywa ihre Schulden wohl nicht wie geplant zurückzahlen kann.

Für den angeschlagenen Agrarriesen, der gerade eine Entschuldung durchläuft, hat das gravierende Folgen: Er muss das mit den Banken vereinbarte Sanierungskonzept neu verhandeln. Die Baywa befinde sich in Gesprächen mit Gläubigerbanken und den Großaktionären, teilte der Konzern mit. Dabei werde über „weitere, von allen Beteiligten zu erbringende Sanierungsmaßnahmen gesprochen“, erklärte die Baywa. Laut Insidern wird etwa darüber diskutiert, ob Banken auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten oder die Laufzeit ihrer Kredite strecken. Teil der Verhandlungen ist aber auch eine Nachschärfung der Sparmaßnahmen bei der Baywa. Kleinaktionäre sollen von den Änderungen aber nicht betroffen sein.

Ohne Lösung stünde die Baywa vor dem Aus

Dass die Baywa erneut mit Banken verhandelt, wurde schon Anfang Februar bekannt. Im Konzern gibt man sich optimistisch: „Der Vorstand geht davon aus, dass eine Einigung erzielt werden kann“, heißt es in der Mitteilung. Ohne neuen Deal könnten die Banken ihre Kredite zurückfordern, die Baywa würde wie schon im Sommer 2024 unmittelbar vor der Insolvenz stehen – „ein Szenario, das für alle Beteiligten die schlechteste Lösung wäre“, heißt es aus Verhandlungskreisen. Ein Ergebnis muss es bis Herbst 2026 geben, bis dahin gilt eine Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern.

Die Baywa hat viele Projekte für die Baywa r.e. finanziert, was zu ihren Finanzproblemen beigetragen hat. Wertberichtigungen bei der Tochter haben die Baywa zudem schon 2024 tief in die roten Zahlen gedrückt. Auch jetzt müssen wegen der Probleme mit der Baywa r.e. die Veröffentlichung des Geschäftsberichts und damit auch die Hauptversammlung verschoben werden, möglicherweise bis weit ins zweite Halbjahr. Um in Zukunft weniger durch die Tochter in Mitleidenschaft gezogen zu werden, möchte die Baywa die Baywa r.e. möglichst bald „bilanziell abtrennen“, wie es von Insidern heißt. Auch ein Verkauf schon vor 2028 ist offenbar nicht ausgeschlossen, heißt es – allerdings nur, sofern sich ein Käufer finde, der einen guten Preis zahle.

Artikel 5 von 7