München – Bayerns größter Stromverbraucher leidet unter der globalen Nachfrageschwäche: Weil weniger Häuser und Autos gebaut werden, leidet das Geschäft mit Silikonen und Polymeren. „Gleichzeitig führen massive Überkapazitäten im Markt zu einem enormen Preisverfall, insbesondere bei chemischen Standardprodukten“, sagte Wacker-Chef Christian Hartel gestern. Das gelte vor allem für Solarpolysilizium und Siloxan. Ersteres wird für Solarpanele gebraucht, Letzteres für die Werkstoffgruppe Silikon. In beiden Fällen verortet Hartel die Überkapazitäten in China. Hoffnung liegt jetzt auf dem Biotechnologie-Geschäft und dem Verkauf von höchstreinem Halbleiterpolysilizium an die Chipindustrie. Erst 2025 hatte Wacker ein Biotech-Forschungszentrum in München eröffnet und eine Polysilizium-Reinigungs-Anlage in Burghausen. Wacker will sich zunehmend auf Spezialitäten konzentrieren.
Vorerst muss der Traditionskonzern sparen: 2025 steht ein Verlust von 805 Millionen Euro. Die Konzernchefs schlagen deshalb vor, keine Dividende zu zahlen. Ein großer Teil des Verlusts geht aber auf Sondereffekte zurück, so Finanzchef Tobias Ohler: Wacker hat 2025 rund 600 Millionen Euro abgeschrieben, unter anderem wegen der Inbetriebnahme neuer Anlagen und der Wertkorrektur des Siltronic-Aktienpakets um 308 Millionen Euro.
Um wieder profitabel zu werden, setzt Wacker seit Ende 2025 sein Sparprogramm „Pace“ um. Das sieht auch den Abbau von über 1500 Arbeitsplätzen vor, die meisten in Deutschland. Aktuell laufen hier die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Die Konzernlenker betonen: Sollte das Programm schnell umgesetzt werden, könnte der Stellenabbau über die natürliche Fluktuaktion funktionieren. Ansonsten seien Kündigungen nicht ausgeschlossen. Das Programm soll jedes Jahr 300 Millionen Euro sparen.
Für das laufende Jahr rechnet der Chemiekonzern mit einem leichten Wachstum. Die Schwarze Null dürfte Wacker aber auch 2026 knapp verfehlen. In dieser Kalkulation ist der Krieg in Nahost noch nicht eingerechnet: Wacker hat zwar bereits zwei Drittel seiner Energiekäufe abgesichert. Doch eine ausgewachsene Öl-Krise könnte die ohnehin schwache Weltkonjunktur und damit die Nachfrage belasten.MAS