BMW-Chef Oliver Zipse wird im Mai nach erfolgreichen Jahren den Konzern verlassen. Er übergibt an Milan Nedeljković, der aktuell Chef des Produktionsnetzwerks ist. © Sven Hoppe
München – Während die Gewinne bei anderen Autobauern in Europa bedenklich schrumpfen, kommt BMW relativ gut durch die Krise: Trotz Branchenumbruch, Handelskrieg, Wechselkursproblemen und China-Konkurrenz haben die Münchner 2025 rund 7,5 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Das sind zwar drei Prozent weniger als 2024, aber rund 600 Millionen mehr als beim deutlich größeren VW-Konzern, dessen Ertrag im vergangenen Jahr um fast die Hälfte eingebrochen ist.
Mit guten Verkäufen in Europa und in den USA hat BMW Verluste in China weitgehend kompensiert. Außerdem hat BMW wegen der Produktion von über 400.000 der 2,5 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen in den USA die Zollprobleme besser weggesteckt als andere Hersteller. Zugleich haben die Münchner 2,5 Milliarden Euro gespart und konnten die Stärken des Konzerns in der Autoproduktion ausspielen: So baut das Traditionsunternehmen E-Autos, Verbrenner und Hybride an einem Band und kann flexibel auf die Kundennachfrage reagieren.
Flexible Produtkion, neue Modelle
„Wir haben in den vergangenen Jahren die Weichen richtig gestellt und müssen strategisch nicht umsteuern“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse bei seiner letzten Bilanzvorstellung, bevor er im Mai den Chefposten an den aktuellen Produktionschef Milan Nedeljković weitergibt. Ein letzter Seitenhieb auf die Konkurrenz, wo viele von einer reinen Elektrostrategie zur Weiterentwicklung von Verbrennern zurückkehren, was mit hohen Abschreibungen verbunden ist. Bei Stellantis waren das 2025 beispielsweise rund 25 Milliarden Euro.
Dennoch hinkt BMW bei der E-Mobilität nicht hinterher, im Gegenteil. Zwar passiert der Hochlauf nicht mehr ganz so dynamisch, dennoch bleiben elektrische Fahrzeuge der Wachstumstreiber der Bayern. 2025 wurden 442.000 reine E-Autos verkauft, 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast zwei von zehn weltweit ausgelieferten BMW waren damit elektrisch, in Europa sogar vier von zehn. Damit habe BMW als einziger Autobauer die von der EU geforderte CO2-Flottengrenze ohne Tricks wie dem Pooling genannten bilanziellen Zusammenschluss mit reinen E-Autofirmen oder der zeitlichen Streckung der Ziele erfüllt.
2026 streben die Münchner erneut eine E-Autoquote von 18 Prozent an. Dass es keine zweistelligen Zuwachsraten wie in den Vorjahren gebe, liege am Anlauf der neuen Generation der E-Modelle, der etwa in China und den USA erst im zweiten Halbjahr erfolgt, hieß es. In Deutschland steht das erste Modell der Generation, der ix3, dagegen seit einigen Tagen bei den Händlern. Laut Zipse übertreffen die Bestellungen „die Erwartungen deutlich.“ Kommende Woche wird zudem der i3 vorgestellt, der dann im Münchner Stammwerk gebaut wird. BMW rechnet damit, im Lauf des Jahres das zweimillionste E-Auto an Kunden zu übergeben. Weil das Gros der Vorarbeit für die E-Modelle erledigt ist, sinken auch die Milliardeninvestitionen für Forschung, Entwicklung und Werksumbauten wieder.
Zipse findet auch zum Abschied klare Worte
Auch in seiner letzten Bilanzpressekonferenz fand der scheidende BMW-Chef klare Worte. Unter anderem forderte er einen breiteren Ansatz bei der Kalkulation von Flottenzielen. Aus seiner Sicht sollen etwa Recyclingmaterialien oder grüner Stahl, aber auch der Einsatz alternativer Kraftstoffe wie HVO100 mehr honoriert werden. Er kritisierte die geplante Förderung kleiner E-Autos durch Gutschriften bei den CO2-Zielen. Und er lehnte Vorteile für in Europa gefertigte Fahrzeuge unter Siegeln wie „Made in the EU“ ab, weil sie globale Autobauer wie BMW treffen. Auf seine drei Jahrzehnte bei BMW angesprochen, blitzte bei Zipse auch Stolz durch: „Ich gehe mit großer Freude“, sagte er.ANDREAS HÖSS