Wer dringend Heizöl braucht, für den kann es bitter werden. © IMAGO/Rolf Poss
Rotterdam/München – Die Lage im Nahen Osten ist unverändert angespannt. Immer wieder werden Schiffe beschossen, in Europa und Asien droht ein Preiskampf um Energie. Der enge Weltmarkt lässt auch in den USA den Inflationsdruck steigen: US-Präsident Donald Trump sah sich gestern sogar gezwungen, die hohen Öl-Preise zu rechtfertigen: „Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand größte Öl-Produzent der Welt. Wenn die Öl-Preise steigen, verdienen wir viel Geld.“
■ Rohöl
In den USA sind die Diesel-Preise über 20 Prozent gestiegen. Donald Trump steht unter Druck. Er versucht deshalb, mehr Öl auf den Markt zu bringen: Gestern verkündete er, dass russisches Öl, das vor dem 12. März auf Tanker geladen wurde, wieder gekauft werden darf. Damit lockert Trump die Sanktionen: Daten von Argus Media zeigen, dass Öl der Sorte Urals inzwischen wieder über 60 Dollar pro Barrel gehandelt wird, über dem Preisdeckel des G7-Embargos. Russland profitiert überdurchschnittlich vom Iran-Krieg: Der Erlös für Urals stieg seit Ende Februar um 75 Prozent, der Weltmarktpreis nur um 42 Prozent. Der Preisabschlag für russische Ware wuchs trotzdem um zehn Prozent auf 29 Dollar. Hauptprofiteur dürfte neben Russland China sein, größter Öl-Kunde des Kreml. Die Prognosen der Analysten gehen zwischen schnellem Frieden (70 Dollar pro Barrel) und langem Krieg (über 140 Dollar) weit auseinander.
■ Diesel & Heizöl
Besonders anfällig sind die Preise für das Raffinerieprodukt Gasöl, eng verwandt mit Heizöl und Diesel. Seit Kriegsbeginn stiegen die Preise hier um rund 48 Prozent. Das spüren Autofahrer an der Tankstelle – und Heizölkunden. „Der Absatz ist gerade zusammengebrochen, die Leute kaufen nur das Nötigste“, erklärt Oliver Klapschus, Chef des Vergleichsportals Heizoel24. Große Entspannnung sieht er nicht: „Die Margen der Händler sind sehr eng. Da wird nicht viel passieren. Sollten die Weltmarktpreise hoch bleiben, werden wir uns zwischen 120 und 140 Cent pro Liter bewegen.“ Hohe Preise und geringe Nachfrage wären ein Problem: „Dann kaufen alle im Herbst, die Händler könnten das nicht bedienen und wir würden wahrscheinlich Preise zwischen 160 und 180 Cent sehen.“ Doch er rät zur Ruhe: „90 Prozent der Haushalte haben noch genug Öl bis zum Herbst. Die meisten können jetzt abwarten, wie sich die Lage bis Anfang Juli entwickelt und erst dann den großen Einkauf machen. Falls die Bestellwelle kommt, dann erst im August.“ Wegen der enormen Schwankungen sollte man die Preise jeden Tag vergleichen (siehe Chart). Doch die Krise ist noch nicht ausgestanden, warnt das Beratungs-Team von Argus Media: Sollten Öl-Transporte aus Nahost länger als vier Wochen ausbleiben, könne Europa nicht genug Diesel importieren. Um die Verteilung zu regeln, müssten die Marktpreise von heute noch mal 17 Prozent steigen. Das sei dann eine Verdopplung zum Februar-Niveau.
■ Erdgas
Noch riskanter ist die Lage bei Erdgas. Seit Kriegsbeginn ist der Preis im Großhandel um 60 Prozent auf 51 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Sollte die Störung der Lieferketten noch drei Monate dauern, rechnen die Analysten von Argus Media mit Preisen jenseits der 100 Euro, „da dies einen heftigen Wettbewerb zwischen Europa und Asien um Flüssiggas-Ladungen“ und Kohle auslösen würde, hieß es. Die Folgen wären dramatisch: Erdgas ist preissetzend für Strom und Stickstoffdünger, der in der konventionellen Landwirtschaft gebraucht wird (siehe Chart). Immerhin: Analysten der Hypovereinsbank halten es für extrem unwahrscheinlich, dass Donald Trump seine Marktmacht auf dem deutschen Flüssiggasmarkt politisch ausnutzt.
■ Inflation & Wachstum
Im Fall eines Kriegsendes in den kommenden Wochen erwarte er einen Anstieg der Teuerung auf drei Prozent, sagte der Konjunktur-Chef des RWI-Leibniz-Institutes, Torsten Schmidt, der „Rheinischen Post“. Der Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet deshalb bereits in der kommenden Woche mit einer Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank. „Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen“, sagte Schmidt weiter. „Dann ist das Wirtschaftswachstum weg.“