Renditekiller für die Altersvorsorge

von Redaktion

Berlin/München – Die Regierung will zur privaten Altersvorsorge ein staatlich gefördertes Depot einführen, das höhere Renditen ermöglicht als die Riester-Rente. Den geplanten Kostendeckel von 1,5 Prozent der Sparsumme halten Verbraucherschützer aber für viel zu hoch. „Das ist ein Zugeständnis an Banken und Versicherungen“, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal „Finanztip“. Eine Obergrenze von 0,5 Prozent sei absolut ausreichend für alle geförderten Vorsorgeprodukte.

■ Bittere Riester-Bilanz

Die neue Förderung sollte eigentlich rentabler sein als die vor 20 Jahren eingeführte Riester-Rente, die sich für die Finanzbranche, aber nur für sehr wenige Sparer gelohnt hat. Wegen der hohen Kosten schafften zwei Drittel der Riester- und Rürup-Verträge nach einer Auswertung des Vereins „Finanzwende“ nur unter zwei Prozent Rendite – und damit nicht einmal den Inflationsausgleich.

■ Kosten-Rechnung

Wie stark sich Kosten auf eine langfristige Geldanlage auswirken, zeigt eine Beispielrechnung von „Finanztip“: Jemand spart 40 Jahre lang monatlich 200 Euro an und erzielt damit sechs Prozent Rendite im Jahr. Dann hat er bei 0,5 Prozent Kosten rund 338.000 Euro Vermögen angespart. Bei 1,5 Prozent Kosten bleiben hingegen nur 263.000 Euro, 75.000 Euro weniger für die Altersversorgung– nur durch die höheren Gebühren. Die meisten Menschen unterschätzen diesen Effekt. Nach einer Umfrage von „Finanztip“ konnten nur 13 Prozent die Größenordnung in etwa richtig benennen. 52 Prozent unterschätzten den Effekt deutlich. „Hohe Gebühren wirken über Jahrzehnte wie ein Renditekiller“, erklärt Tenhagen. In Schweden könnten die Bürger einen Staatsfonds mit nur 0,1 Prozent Kosten besparen.

■ Petition läuft

Mehr als 100.000 Menschen haben innerhalb von zwei Tagen eine Petition des Verbraucherportals für einen Kostendeckel beim geplanten Altersvorsorge-Depot unterzeichnet. „Finanztip“ hatte die Online-Befragung mit Blick auf die öffentliche Anhörung im Finanzausschuss des Bundestages am heutigen Montag lanciert. Die Unterzeichner fordern einen Kostendeckel bei 0,5 statt 1,5 Prozent. Rund 78 Prozent der potenziellen Nutzer des staatlich geförderten Altersvorsorge-Depots halten demnach niedrige Gebühren für wichtig oder sehr wichtig, damit sie es nutzen. Außerdem seien einfache Steuerregeln (83 Prozent) und flexible Auszahlmöglichkeiten (74 Prozent) für viele Befragte wichtige oder sehr wichtige Kriterien.

■ Offen für Änderung

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat sich kurz vor der Anhörung im Bundestag offen für Änderungen am Gesetz zur Reform der privaten Altersvorsorge gezeigt. „Wir wollen die Kosten klar begrenzen“, sagte Klingbeil der „Welt am Sonntag“. „Für das Standardprodukt gibt es einen Kostendeckel – wo der exakt ansetzt, da bin ich in den anstehenden Beratungen im Parlament offen für eine gute Lösung.“

■ Was geplant ist

Die geplante Reform der Bundesregierung sieht ein Altersvorsorgedepot vor, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht und damit rentabler sein soll als die bisherige Riester-Rente. Geplant ist ein Standardprodukt, mit dem zwei Fonds bespart werden können. Dafür sollen Sparer Zuschüsse aus Steuergeldern erhalten. COM

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