Kampf um die Commerzbank

von Redaktion

Protest von Commerzbank-Beschäftigten im vergangenen Mai in Wiesbaden: Die Unicredit könnte nach einer Übernahme weitere Arbeitsplätze streichen. © Arne Dedert, dpa (Archiv)

Frankfurt/Mailand – Die italienische Großbank Unicredit treibt mit einem milliardenschweren Übernahmeangebot die Commerzbank vor sich her. „Unsere Botschaft an die Commerzbank heute ist: Es ist jetzt an der Zeit zu sprechen“, sagte gestern Unicredit-Chef Andrea Orcel in einer Telefonkonferenz. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisierte, die Unicredit lasse im Unklaren, wie eine wertstiftende Transaktion aussehen solle, zudem umfasse das nun angekündigte Angebot „faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre“.

Auch der Bund bleibt hart: „Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.

In einem freiwilligen Tauschangebot will die Unicredit für sämtliche Commerzbank-Aktien je 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März.

Die Unicredit wirbt seit Langem um die Commerzbank, inklusive Finanzinstrumenten kontrolliert die Großbank mit Sitz in Mailand 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Ab 30 Prozent wäre die Unicredit gesetzlich zu einer Übernahmeofferte verpflichtet. Das Angebot ziele darauf, die rechtlich vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden. Mit dem freiwilligen Übernahmeangebot, das nur einen kleinen Aufschlag vorsieht, hat Orcel die Möglichkeit, weitere Commerzbank-Aktien an der Börse zu kaufen. Ein Pflichtangebot wäre wohl teurer geworden.

Die Unicredit hat mit der HypoVereinsbank (HVB) in München bereits ein Standbein. Mit dem Einstieg bei der Commerzbank sieht Orcel Chancen bei Privat- und Mittelstandskunden. Auch argumentiert er, Europa benötige im Wettlauf mit den starken US-Instituten größere Banken.

Die Tür für die Unicredit hatte ausgerechnet die damalige Ampel-Koalition geöffnet, mit einem verunglückten Teilaus-stieg bei der Commerzbank. Orcel nutzte das, um im September 2024 überraschend einzusteigen. Commerzbank-Chefin Orlopp versucht, die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln zu verteidigen. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete den Abbau von etwa 3900 Stellen.

Das Szenario einer Übernahme schürt Ängste in der Commerzbank-Belegschaft. So fürchtet Verdi einen Schrumpfkurs, sollten die Italiener die Kontrolle übernehmen – so wie schon bei der Übernahme der HVB durch die Unicredit 2005.

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