München – Die Commerzbank könnte bald ein Teil der italienischen Unicredit sein. Wir sprachen mit Daniela Bergdolt, Landesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in München, über die Folgen.
Was bedeutet das Angebot der Unicredit für Aktionäre der Commerzbank?
Der gebotene Preis ist nicht gerade überragend. Jeder Aktionär muss selbst entscheiden, ob er dieses Angebot annimmt oder darauf spekuliert, dass der Kurs der Aktie weiter steigt.
Was gilt jetzt für Commerzbank-Kunden?
Mit der HypoVereinsbank aus München ist die UniCredit schon am deutschen Markt aktiv. Damit ist ein Zusammenschluss zwischen der Commerzbank und der HVB sehr wahrscheinlich. Die deutsche Bankenwelt wäre weniger fragmentiert, es würde Filialschließungen geben, große Gewinnerin wäre die HVB. Ob dann von der Commerzbank noch viel übrig bleibt, ist zu bezweifeln.
Auch viele mittelständische Firmen sind Kunden bei der Commerzbank.
Ich kann mir vorstellen, dass viele Mittelständler abwandern. Als Alternativen bleiben noch die Deutsche Bank, die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken. Die Deutsche Bank zählt aber nicht unbedingt zu den Instituten, die den Mittelstand im Blick haben. Und den Regionalbanken fehlt oft die internationale Expertise. Die Commerzbank würde damit eine Lücke hinterlassen.
Hätten Sie sich gewünscht, die Unicredit wäre von ihrer Übernahme-Fantasie wieder abgerückt?
Ja. Eine selbstständige Commerzbank wäre mir lieber gewesen. Aber die Fakten sind, wie sie sind, damit müssen wir leben.
Nach einer Übernahme wäre die Deutsche Bank das letzte große eigenständige Institut aus Deutschland.
Zwei wären besser gewesen, denn Konkurrenz belebt den Markt.
Sollte die Bundesregierung eine Übernahme verhindern?
Wenn ich das richtig sehe, hat die Regierung kaum Möglichkeiten, das zu verhindern.
Mit einem Verkauf seiner Commerzbank-Anteile hatte der Bund den Einstieg der Unicredit überhaupt erst möglich gemacht.
Das ist der eigentliche Skandal. Da hat sich der deutsche Staat wenig professionell angestellt. Man fragt sich wirklich, warum man damals in der Bundesregierung nicht vorhergesehen hat, dass es zu einem Aufkauf der an den Markt gegebenen Aktien kommen würde. Das hätte alles nicht passieren dürfen.