Lutz bleibt trotz Ermittlungen bei Giesecke + Devrient

von Redaktion

München – Trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bleibt Klaus Josef Lutz bis auf Weiteres Chef des Aufsichtsrats und des Beirats bei Giesecke + Devrient. „Herr Professor Lutz ist in einem Ermittlungsverfahren, er ist in keinem Strafverfahren“, sagte Ralf Wintergerst, Chef des auf Banknoten und Zahlungssysteme spezialisierten Unternehmens, bei einer Betriebsversammlung in München. „Solange etwas geprüft wird, gilt die Unschuldsvermutung in Deutschland, und genau das würdigen wir“, erklärte er gegenüber der Belegschaft des Traditionsunternehmens, das mit über 145 Zentralbanken weltweit zusammenarbeitet und unter anderem Euroscheine für die Bundesbank druckt.

Klaus Josef Lutz war von 2008 bis 2023 Chef der Baywa und 2023 und bis Anfang 2024 dort Aufsichtsratsvorsitzender. Unter ihm expandierte die Baywa zum globalen Agrarriesen, türmte aber gleichzeitig hohe Schulden auf. Mitte 2024 schlitterte sie knapp an der Pleite vorbei. Im Januar 2026 durchsuchte die Staatsanwaltschaft München die Privaträume von Lutz und weiteren Personen aus dem Umfeld der Baywa wegen des Verdachts der Untreue. Hintergrund sind offenbar Ergebnisse interner Ermittlungen bei der Baywa. Diese hatte der Baywa-Aufsichtsrat angestoßen, um die Krise des Konzerns aufzuarbeiten. Lutz legte nach Bekanntwerden der Razzia sein Amt als Präsident der IHK für München und Oberbayern nieder. Aufsichtsrats- und Beiratschef bei Giesecke + Devrient ist er aber immer noch. Bisher äußerte sich das Unternehmen nicht zu seiner Person.

Zwei Monate nach Bekanntwerden der Vorwürfe forderten viele Giesecke-Mitarbeiter in der Betriebsversammlung am Dienstag deshalb eine Stellungnahme vom Vorstand. Konzernchef Wintergerst kam dem nach. Lutz habe die Geschäftsführung früh über die Ermittlungen informiert, berichtete er. Da bisher lediglich geprüft werde, ob ein Straftatbestand erfüllt sei und Lutz die konkreten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gar nicht kenne, bleibe er Chef des Aufsichtsrats. Das sei die Linie der Geschäftsführung und der Gesellschafterfamilie des Unternehmens. Sollte an den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft „nur annähernd etwas dran sein“, würde Lutz „sofort zurücktreten“, betonte Wintergerst.

Ein Sprecher von Giesecke + Devrient wies auf Nachfrage unserer Zeitung auf einen weiteren Punkt hin: „Die in den Medien genannten Ermittlungen betreffen keine Sachverhalte bei Giesecke + Devrient und stehen in keinem Zusammenhang mit unserem Geschäft“, sagte er. Es handle sich um laufende Ermittlungen gegen die Person Lutz „in einer anderen Funktion“.ANDREAS HÖSS

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