In der Gastronomie rollt eine massive Pleitewelle. © A.nnette Riedl, dpa
Neuss – Schwierige Zeiten für die Gastronomie: Die Insolvenzen in der Branche sind laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen waren im vergangenen Jahr mehr als 2900 Betriebe betroffen. Das ist der höchste Stand seit 2011 und fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit trifft es die Branche deutlich härter als die Gesamtwirtschaft (+8,3 Prozent).
In der Gastronomie wurden zwischen 2020 und 2025 laut Creditreform mehr als 11.200 Insolvenzen gezählt. Insgesamt stellten in diesem Zeitraum fast 69.000 Unternehmen, die Gaststätten, Restaurants, Cafés oder Bars geführt haben, ihren Betrieb ein. Die tatsächliche Zahl der Schließungen liegt höher, da ein Unternehmen mehrere Betriebsstätten haben kann.
„Pandemie, Energiekrise und Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Viele Wirte könnten in der aktuell verschärften Wirtschaftslage mit hohen Lohnkosten nicht rentabel arbeiten. „Die steigenden Preise in Lokalen treffen auf eine Bevölkerung, die in vielen Bereichen spart.“ Die Menschen bestellten häufiger Essen nach Hause. Insgesamt gebe es weniger Restaurant- und Barbesuche, auch bei Bestellungen werde gespart. „Weniger Aperitif, weniger Nachtisch, weniger Wein. Das schlägt auf den Umsatz.“
Hantzsch erwartet 2026 eine Zunahme der Insolvenzen und ein weiteres Ausdünnen der Gastronomie. „Besonders kleine, inhabergeführte Betriebe kämpfen angesichts hoher Energie-, Miet- und Lebensmittelkosten ums Überleben.“ Vor allem in kleinen Städten und Dörfern dürfte der Wandel sichtbar werden. Bei knapp 40 Prozent der Unternehmen liegen die Eigenkapitalquoten bei weniger als 10 Prozent. Knapp ein Drittel schreibt Verluste.