Washington – Der Kampf um Energie spielt eine immer zentralere Rolle im Krieg Israels und der USA gegen den Iran: Am Wochenende hat US-Präsident Donald Trump dem Regime ein Ultimatum für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus gestellt. Sollte sie in der Nacht zu Dienstag nicht wieder passierbar sein, „werden die USA seine verschiedenen Kraftwerke angreifen und zerstören“, warnte Trump. Teheran drohte daraufhin mit Angriffen auf die IT-Infrastruktur amerikanischer Verbündeter in der Golfregion sowie auf die Entsalzungsanlagen dort. Angesichts der Wasserknappheit dort sind die 3400 Anlagen lebenswichtig für Staaten wie Katar oder Bahrain.
Trump will größtes Kraftwerk angreifen
Im Krieg gegen den Iran nehmen die USA und Israel die iranische Energieversorgung immer stärker ins Visier: Die enorm wichtige Wasser- und Strominfrastruktur des Landes habe „durch Terror- und Cyberangriffe“ der USA und Israels „schwere Schäden erlitten“, erklärte Irans Energieminister Abbas Aliabadi am Sonntag nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Werde die faktische Blockade durch die Revolutionsgarden nicht aufgehoben, würden die USA die Energieinfrastruktur noch stärker angreifen, drohte Trump, der „mit dem größten“ Kraftwerk beginnen will.
Welches das ist, ist unklar. Das wichtigste iranische Kraftwerk ist das Dampf- und Gaskraftwerk in Damawand in der Nähe der Hauptstadt Teheran. Es hat mehr als 2800 Megawatt Kapazität. Ein weiteres liegt in der Provinz Masandaran am Kaspischen Meer mit mehr als 2200 Megawatt Kapazität. Ein Angriff auf das einzige iranische Atomkraftwerk am Persischen Golf gilt wegen der unabsehbaren Folgen jedoch als unwahrscheinlich.
Der Iran hat seinerseits schon seit Beginn des Krieges die Straße von Hormus blockiert. Durch die von den iranischen Revolutionsgarden kontrollierte Schiffsroute läuft etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports. Teheran hat seit Kriegsbeginn mehrmals gedroht, dort Schiffe anzugreifen, weshalb Reeder keine Tanker und Handelsschiffe mehr durch die Meerenge schicken. Das hat die Öl- und Gaspreise weltweit massiv nach oben getrieben, was auch in den USA zunehmend spürbar ist. Um den Preisanstieg wenigstens etwas abzufangen, haben die USA vorübergehend sogar Sanktionen auf iranisches Rohöl gelockert, das sich derzeit auf Schiffen befindet. Das US-Finanzministerium teilte mit, Verkauf und Lieferung seien bis zum 19. April erlaubt.
Deutschland leidet unter Energiepreisen
Der Krieg im Nahen Osten wird auch für deutsche Verbraucher und Firmen immer mehr zur Belastung. Unmittelbar spürt man das an der Tankstelle, wo die Dieselpreise auf Rekordniveau liegen (siehe Seite 8). Das ärgert Verbraucher, für die Spediteure und Logistiker ist der Preisanstieg aber bereits jetzt eine harte Belastung. Zudem könnten energieintensive Branchen wie die Chemie Auswirkungen spüren. Forscher warnen aber auch vor steigenden Preisen bei Lebensmitteln. Landwirte klagen schon jetzt über gestiegene Kosten durch hohe Dünger- und Spritpreise.
Am Sonntag hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem US-Präsidenten telefoniert und dabei unter anderem über die Situation im Iran, aber auch in der Ukraine gesprochen. „Wir haben verabredet, weiter in engem Kontakt zu bleiben“, schrieb der Kanzler auf der Plattform X. „Unser Austausch wird bald fortgesetzt.“DPA/AFP/HÖSS