Trump schickt Märkte auf Berg- und Talfahrt

von Redaktion

Bulle oder Bär? An der Börse symbolisiert der Bulle steigende, der Bär fallende Kurse (im Bild Skulpturen vor der Deutschen Börse in Frankfurt). © Arne Dedert, dpa

München/Frankfurt – Der Chef der Internationalen Energieagentur wählt starke Worte für die Folgen des Iran-Kriegs: Man stehe vor der „größten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit“, sagte Fatih Birol. Donald Trump hatte in der Nacht zum Sonntag mit der Zerstörung von Energieanlagen im Iran gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffnen. Montagfrüh schossen dann die Energiepreise in die Höhe. Gegen 12 Uhr sorgte der US-Präsident mit einer anderen Äußerung für eine vorübergehende Wende: Er werde in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur fliegen.

■ Diesel/Heizöl

Die Preise für das Raffinerieprodukt Gasöl sind nach Trumps Ankündigung teilweise 21 Prozent abgestürzt und standen nachmittags noch 9 Prozent im Minus. Doch Diesel ist mit etwa 2,17 Euro pro Liter weiter teuer. Der Preis für Heizöl fiel derweil um rund zwei Cent auf 1,34 Euro (3000 Liter in München). „Wenn die Lage so bleibt, könnte der Preis am Dienstag um weitere 5 Cent fallen“, sagt Oliver Klapschus vom Vergleichsportal Heizoel24. „Das kann sich aber schnell ändern. Wer kaufen will, sollte die Preise über den ganzen Tag im Blick behalten“. Doch auch das wäre nicht günstig: Vor dem Iran-Krieg kostete Heizöl noch 95 Cent pro Liter. Wer noch Brennstoff hat, sollte laut Klapschus bis Anfang Juli warten, bis er kauft.

Allerdings: Unter einen Euro dürften die Preise kurzfristig nicht fallen. „Die Lieferkapazitäten sind limitiert und es wäre dann schwierig, die ganze Nachfrage auf einmal zu bedienen.“ Trotz Krise ist Oberbayern privilegiert: In Hamburg kostet Heizöl gerade 20 Cent mehr. „Aus Händlerkreisen hören wir, dass die Raffinerien und Tanklager in Süddeutschland viel Heizöl und Diesel bevorratet hatten“, so Klapschus. „Weil die Nachfrage seit drei Wochen eingebrochen ist, drücken diese Vorräte gerade die Preise.“ Die Großhandelspreise für Strom und Erdgas fielen indes zwischen Freitag und Montagnachmittag jeweils um fünf Prozent.

■ Rohöl

Rohöl aus der Nordsee ist inzwischen 57 Prozent teurer. Das Barrel (159 Liter) Brent mit Lieferung im Mai wurde am Montagmorgen bei 113,45 US-Dollar gehandelt und landete am Nachmittag bei 101 Dollar.

■ Aktien

Der Dax hat seine Talfahrt zu Wochenbeginn zunächst fortgesetzt. Angesichts der Ängste vor einem weiteren eskalierenden Iran-Krieg büßte der deutsche Leitindex gut zwei Prozent auf 21.870 Punkte ein. Damit rutschte er erstmals seit Trumps Zoll-Schock im April 2025 unter die Marke von 22.000 Punkten. Die neueste Äußerung des US-Präsidenten katapultierte den Dax dann ins Plus: Gut 1000 Punkte ging es zwischenzeitlich nach oben, ein Plus von knapp drei Prozent verglichen mit dem Vortag.

Doch seit Beginn der Angriffe auf den Iran hat das deutsche Börsenbarometer kräftig eingebüßt. Höhere Energie- und Transportkosten treffen zunehmend mehr Lebensbereiche und Unternehmen. Ökonomen rechnen mit einer deutlich anziehenden Inflation und einem Dämpfer für die Konjunkturerholung in Deutschland.

■ Gold und Silber

Die Preise für Gold und Silber sanken erneut kräftig. Eine Feinunze Gold kostete am Montagmittag rund 4370 Dollar und damit vier Prozent weniger als am Freitagabend. Noch im Januar war der Goldpreis erstmals über 5000 Dollar gestiegen. Gold ist damit im Iran-Krieg anders als in vielen anderen Krisen davor kein sicherer Hafen. Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran büßte der Goldpreis mehr als 18 Prozent ein. Beim Silber waren es mehr als 30 Prozent.

Hintergrund ist unter anderem, dass die Hoffnung auf sinkende Zinsen schwindet. Es wird zunehmend erwartet, dass die US-Notenbank und auch die Europäische Zentralbank in diesem Jahr die Leitzinsen erhöhen werden. Damit wird Gold weniger attraktiv für Anleger, weil Gold keine Zinsen abwirft, Anlagen wie Staatsanleihen dagegen schon. Zudem bremst der aktuelle starke Dollar die Nachfrage nach den Edelmetallen, denn sie werden in Dollar gehandelt, der als Krisenwährung gerade vergleichsweise teuer ist.MATTHIAS SCHNEIDER mit dpa

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